Beratung Digitalisierung – Unternehmensberatung oder Agentur, wer ist der richtige Partner für Dein Unternehmen?

1024 533 Andreas Diehl

Wenn Du als Führungskraft oder Unternehmer Beratung für die Digitale Transformation deines Unternehmens suchst, wirst Du von Angeboten schier erschlagen. Strategie-, Unternehmens- und Managementberatungen, Online-Marketing neben Digital-Agenturen, Organisationsentwickler, agile Coaches sowie Technologie-Anbieter und – berater buhlen um Budgets für die digitale Beratung.

Alle diese Berater und Dienstleister haben ihre ganz eigene Sicht auf die Digitalisierung eines Unternehmens. Keiner liegt so wirklich falsch, wenn er seine Leistung als ein Puzzlestück für die Digitale Transformation deines Unternehmens anbietet. Aber wem solltest Du dich als Unternehmer und Geschäftsführer anvertrauen? Und mit welchen Fragen solltest Du Dich auseinandersetzen, bevor Du überhaupt einen externen Partner zur Beratung dazu ziehst?

Schließlich kann Dich der falsche Partner wertvolle Zeit kosten oder zu Entscheidungen führen, die einen wesentlichen Einfluss auf die digitale Entwicklung deines Unternehmens haben.

Mit diesem Beitrag bieten wir Dir eine Entscheidungshilfe, wie Du die richtigen Berater für die Digitalisierung findest.

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Teil 1: Was bedeutet Digitale Transformation für dein Unternehmen?

Bevor Du Dich mit externen Beratern über die Digitalisierung in deinem Unternehmen austauscht, solltest Du für dein Unternehmen einen Bezugsrahmen schaffen. Damit schafft ihr ein Gerüst für weiterführende Entscheidungen und stellt die Weichen für die Auswahl der passenden Beratungsunternehmen.

Euer digitales Geschäftsmodell – Warum ist Digitalisierung wichtig für euch?

Jeder redet drüber, alle wollen es, aber jeder hat eine andere Vorstellung davon, was es heißt, ein Unternehmen zu digitalisieren. Das liegt in der Natur der Sache, denn Digitalisierung findet auf allen unternehmerischen Ebenen, in vielen Unternehmensbereichen statt und hat schließlich auch Einfluss auf Arbeits- und Projektmethoden.

Das heißt, Du brauchst eine klare Vorstellung davon, wie Digitalisierung Wert für euch stiftet. Damit meine ich noch keinen vollumfänglichen Business Case, sondern ganz grundlegende Hypothesen, welchen Potentiale ihr mit der Digitalisierung freisetzt.

  • Könnt ihr Kosten durch Digitalisierung sparen?
  • Erreicht ihr digital mehr Kunden?
  • Hat Digitalisierung Einfluss auf eure Kundenbindung?
  • Schafft ihr es, digital neue Märkte zu erschließen?
  • Habt ihr Konzepte und Ideen für neue Services und Geschäftsmodelle im Kopf?
  • Könnt ihr mit einer konsequenten Digitalisierung eure Wertschöpfung verlängern?
  • Wie schafft ihr es, digital langfristig Wettbewerbsvorteile aufzubauen?

Einen guten Ordnungsrahmen für diese Fragen bietet das Business Model Canvas. Mit dem Business Model Canvas könnt ihr eure Überlegungen strukturieren und genau identifizieren, in welchem Bereich eures Geschäftsmodells Digitalisierung welchen Wert generiert.

Viele Unternehmen scheitern mit ihrer digitalen Agenda, weil sie nicht klar, deutlich und einfach genug formulieren können, was sie von ihrer Digitalisierung erwarten.

Wer unterstützt die Digitalisierung in deinem Unternehmen?

Fast immer zieht Digitalisierung weite Kreise in einem Unternehmen. Das heißt, viele Abteilungen, Führungskräfte und Unternehmensbereiche sind von der digitalen Transformation betroffen. Damit ihr auch Durchschlagskraft und Entscheidungskompetenz habt, ist es wichtig, von Anfang an eine Gruppe Gleichgesinnter um euch zu scharen, damit die Digitalisierung auch gelingen kann.

Dabei solltet ihr den unmittelbaren Draht zur Unternehmensleitung sicherstellen. Ohne C-Level Support wird jedes ambitionierte Digitalisierungs-Unterfangen im Keim ersticken. Dieses Digital-Board ist kein Gremium im Sinne eines Lenkungsausschuss. Sondern ein Accelerator und Beschleuniger, um Hindernisse auf dem Weg zum digitalen Unternehmen schnell und unbürokratisch aus dem Weg zu räumen. Und allen Beteiligten die Chance gibt, sich zu synchronisieren und auszutauschen.

Wenn es für die Gründung eines Digital-Boards noch keinen offiziellen Auftrag gibt, dann gründet einen Arbeitskreis. Diese Formen der Selbsthilfe nennen wir liebevoll und mit einem Augenzwinkern gerne auch “Selbsthilfegruppen”. Schließlich ist Selbstorganisation auch wieder ein wichtiger Baustein für die agile Transformation eines Unternehmens.

Wie viel digitale Kompetenz braucht ihr intern?

Bevor ihr externe Partner involviert, solltet ihr diskutieren, wie erfolgskritisch digitale inhouse Kompetenz für dein Unternehmen ist. Stark vereinfacht basiert die Entscheidung für eigene digitale Kompetenz auf zwei Fragen.

  • Ist dein Kern-Leistungsversprechen von der Digitalisierung betroffen?
  • Läufst Du Gefahr, Zugang zu deinem Kunden zu verlieren?

Lass uns das an Beispielen verdeutlichen. Wenn dein Unternehmen z.B. industrielle Verbrauchsgüter oder Bad-Armaturen herstellt, dann ist deine Value Proposition von der Digitalisierung erst einmal nicht betroffen. Nur wenn Du Sorge hast, dass ein digitaler Wettbewerber sich mit einer besseren Angebot zwischen Dich und deine Kunden stellt, dann würden wir eher zum Aufbau eigener digitaler Kompetenz raten, auch wenn dein Kern-Leistungsversprechen zunächst nicht betroffen ist.

Dagegen ist der Aufbau eigener Teams zwingend erforderlich, wenn euer Leistungsversprechen durch Digitalisierung bedroht ist. Zum Beispiel, weil dein Unternehmen mit Ware handelt oder Dienstleistungen anbietet, die digital neu gedacht und erbracht werden können.

Zusammenfassend können wir die Entscheidung für den Aufbau eigener digital Kompetenz wie folgt zusammengefassen:

 

Zugang zum Kunden nicht in GefahrZugang zum Kunden in Gefahr
Value Proposition nicht betroffenExterne Partner, kein eigenes Digital Team notwendigInteres Digital Team, Schwerpunkt Marketing
Value Proposition betroffenInteres Digital TeamInteres Digital Team (alternativlos)

Wer steuert eure externen Partner?

Unabhängig davon, zu welchem Ergebnis ihr mit der vorherigen Frage gelangt, gibt es eine Rolle und eine zentrale Kompetenz, die wir in jedem Fall immer inhouse ansiedeln möchten. Die Rolle eines zentralen Owners für eure Digitalisierung. Je nach Umfang eurer digitalen Initiativen benötigt ihr dafür auch ein ganzes Team.

Während das Digital Board die Aufgabe hat, Türen zu öffnen und sich auf Führungsebene mit der digitalen Strategie auseinander zu setzen, hat diese Person oder das Team die Aufgabe, operative Maßnahmen und Dienstleister zu steuern. Viele Unternehmen scheitern daran, dass sie viele Handwerker beauftragen, aber keine Architekten haben. Der Owner und sein Team sind euer digitalen Architekten und natürlich ebenfalls Teil des Digital Boards.

Anforderungen an deinen Digital-Owner

Zumindest der Owner muss unbedingt ausreichend Zeit und Freiraum neben seiner operativen Rolle mitbringen. Außerdem sollte sich eure digitale Führungskraft für Technologie und digitale Ökosysteme interessieren und ein gutes Verständnis für die Entwicklung eures Unternehmens haben. Solltet ihr einen geeigneten Owner identifiziert haben, denen es noch an digitaler Kompetenz fehlt, dann stellt ihnen einen Digitalberater zur Seite, damit eure Führungskraft digitale Kompetenz entwickelt.

Die Besetzung eines zentralen Owners für das Thema Digitalisierung halten wir für sehr relevant. Denn am Ende sind externe Partner eben nur Externe. Jedoch geht es in der Beratung zur Digitalen Transformation um die digitale Entwicklung deines Unternehmens. Und an dem haben Externe sprichwörtlich “keine Aktien”.

Auf die Rolle eines internen Owners solltet ihr nur dann verzichten, wenn ihr bereits sehr vertrauensvoll und lange mit einem externen Partner arbeitet, der die Rolle des zentralen Digital Owners auch in eurem Sinne ausfüllt.

Zwischenfazit – Mit den richtigen Fragen die Weichen für die Auswahl eines passenden Digitalberaters stellen

Mit diesen ersten vier Fragen legst du den Grundstein, um die richtigen Partner und Berater für eure Digitale Transformation zu finden. Du hast ein Verständnis darüber gewonnen, wie das digitale Zielbild aussieht, welchen Wert Digitalisierung schafft, eine Koalition mit Zugang zum C-Level gegründet und die Frage beantwortet, ob ihr digitale Teams intern aufbauen solltet.

Natürlich können Dich auch externe Berater unterstützen, um die Weichen in dieser frühen Phase richtig zu stellen. Der größte Mehrwert eines Partners in dieser Phase ist die Strukturierung und die Moderation der Fragen und des Prozesses. Damit ihr zu einem guten Ergebnis kommt, sollte sich der Partner mit der Strukturierung von Geschäftsmodellen, digitalen Ökosystemen, Technologie und digitalem Marketing auskennen.

Sofern ihr euch die fachliche Kompetenz selbst zutraut, könnt ihr diesen Prozess auch von jeder digitalen Beratung oder jedem Coach begleiten lassen, der gut in der Moderation und Strukturierung eines solches Prozesses ist, dabei einen Blick für das große Ganze hat und der auch wortgewaltige Teilnehmer gut moderieren kann.

Teil 2: Die passenden Berater und Partner für deine Digitalisierung finden

Im zweiten Teil beschäftigen wir uns mit der Frage, welche Dienstleister euch bei eurer Digitalisierung in welcher Phase sinnvoll unterstützen können. Dabei gehen wir insbesondere auf typische Partner ein, die mit Angeboten rund um die Digitale Transformation am Markt auftreten.

Online Marketing Agenturen

Digitale Kundenakquise und Kundenbindung sind ein wesentliches Element der digitalen Transformation deines Unternehmens. Alleine um digitales Marketing, deinen Shop oder deine Webseite professionell umzusetzen, brauchst Du schon einen ganze Handvoll von Dienstleistern.

Bereits an dieser Stelle wird die Relevanz eines internen Owners deutlich, denn die meisten Agenturen haben eine sehr gute Expertise in einem bestimmten Ausschnitt der digitalen Wertschöpfung. Die Herausforderung ist jedoch, diese Maßnahmen zusammenzuführen und aufeinander abzustimmen.

Digitales Marketing und Technologie sind so eng miteinander verzahnt, dass Du diese Maßnahmen keinesfalls isoliert voneinander betrachten darfst. Wenn Du über eierlegende Wollmilchsau-Agenturen stolperst, die in allen Disziplinen sehr gut sind, dann lauf. Schnell und weit. Die Komplexität und Dynamik im digitalen Marketing und in digitalen Technologien zwingt Agenturen in immer tiefere Spezialisierungen. “Full Service Agenturen” gibt es im Digital Bereich nicht.

Digital Agenturen mit Fokus auf Entwicklung

Während Online Marketing Agenturen sich um das Bespielen deiner digitalen Marketing-Kanäle wie facebook oder Adwords kümmert, bieten Dir Digitale Agenturen mit technischem Bezug die Umsetzung deiner Projekte. Da sich auch WEB-Technologien sehr rasant verändern, sind auch diese Agenturen zunehmend zu einer Spezialisierung verdonnert. Das heißt, diese Agenturen setzen deine Webseite um, deinen Shop oder haben sich auf andere Schritte in der Wertschöpfung konzentriert.

Eine seriöse Beratung dieser Agenturen würde mit der Frage starten, ob ihre Tech-Stack (die Technologien, mit denen sie arbeiten), die passenden für dein Vorhaben sind. Unserer Erfahrung nach machen das allerdings zu wenige. Bevor Du mit einer Agentur an der Umsetzung eines Vorhabens arbeitest, würden wir sie fragen, welche Technologien sie für die Umsetzung einsetzen und wieso sie glauben, dass das für dein Vorhaben die richtigen Werkzeuge sind.

Klassische Unternehmensberatungen

Natürlich haben auch Unternehmensberatungen die Beratung Digitale Transformation für sich entdeckt. Und das oft zu Recht. Denn bevor es in die Umsetzung geht, brauchst Du einen Partner, der Dir auf einer konzeptionellen Ebene hilft, Überlegungen für Dein Geschäftsmodell und Deine Strategie zu ordnen und zu strukturieren.

Bei der Entscheidung für eine Unternehmensberatung empfehlen wir, die Kompetenz im Hinblick auf eine agile Umsetzung zu testen. Das erfordert zum einen Methodenkompetenz in der agilen Projektsteuerung und vor allem handwerkliche Kompetenz in der Umsetzung von Maßnahmen und Projekten.

Mehr noch als in anderen Geschäftsbereichen brauchen digitale Vorhaben ein integriertes Konzept. Wir halten wenig davon, Strategien und Konzepte nur in Powerpoint zu entwerfen. Digitale Vorhaben brauchen eine integrierte Betrachtung. Dabei sollen Konzeption und Umsetzung eingerahmt durch agile Methoden Hand in Hand gehen.

Technologie- und Lösungsanbieter

A fool with a tool is still a fool.

Technologie- und Lösungsanbieter spielen in allen Bereichen deines Geschäftsmodells eine wichtige Rolle. Und natürlich brauchst Du diese Anbieter und ihre Lösungen, so wie Du den Installateur für deinen Hausbau benötigst.

Sehr etablierte Technologie- und Lösungsanbieter haben auch eine hohe Beratungskompetenz und können Dir zeigen, wie ihre Technologie Mehrwert für dein Unternehmen generiert. Mit der geleisteten Vorarbeit im ersten Teil kannst Du selbst bewerten, ob dieser Baustein relevant für dein Unternehmen ist und wie das Angebot einzuschätzen ist.

Die Angebote dieser Partner sind Werkzeuge, jedoch sicher nicht die treibende Kraft deiner digitalen Unternehmensentwicklung. Trotz allem können Technologie- und Lösungsanbieter sehr wertvolle Impulse liefern, da sie sich oft mit einer konkreten Frage- und Problemstellung beschäftigen. Das kann auch die eigene Sichtweise “über den Tellerrand” befeuern und Dir helfen, neue Perspektiven auf dein Geschäftsmodell zu entwickeln.

Prozessberater, IT Dienstleister und Systemhäuser

Organisationen entwerfen Systeme, die die aktuellen Kommunikationsstrukturen dieser Organisationen abbilden.

Klassische IT Dienstleister und Systemhäuser sehen wir primär als Implementierungspartner und zwar vor allem auf einer Ebene, um dein bestehendes Geschäftsmodell durch Technologie und Systeme wie z.B. ERP Systeme zu unterstützen.

Bevor euer Unternehmen allerdings neue Systeme einführt, solltet ihr euch fragen, ob die heutigen Prozesse auch das digitale Geschäftsmodell unterstützen oder ob Du zunächst in das Re-Design eurer Prozesse investieren solltest. Sonst baut ihr euch Systeme, die möglicherweise suboptimale Prozesse abbilden. Dieses Henne-Ei Problem ist als Gesetz von Conway bekannt.

Bei Prozessberatungen würden wir darauf achten, dass sie auch mit modernen Werkzeugen wie dem Customer Journey Mapping oder der Erstellung von Personas betraut sind. Denn gute Prozesse stellen den Kunden in den Vordergrund und helfen euch, eine gute Customer Experience zu entwickeln.

Organisations-Berater und agile Coaches

Für große Organisation bedeutet Digitale Transformation fast immer auch einen Kultur- und Organisationswandel. Denn oft sind die Herausforderungen und die steigende Dynamik hervorgerufen durch die Digitalisierung in alten “Command and Order” Strukturen nicht umsetzbar.

Wenn Du uns vor die Wahl stellen würdest, würden wir zuerst an einer agilen Transformation arbeiten und erst im Anschluss daran an der eigentlichen digitalen Transformation. Mit agilen Strukturen lassen sich Vorhaben mit digitalem Bezug deutlich effizienter und schmerzfreier bewältigen. Dafür bleibt jedoch in der Realität meistens keine Zeit. Das bedeutet, Unternehmen müssen parallel sowohl an der digitalen Entwicklung als auch an der agilen Transformation arbeiten.

Oft sind digitale Projekte ein guter Startpunkt, agile Projektkultur zu üben und die Voraussetzungen für agiles Arbeiten zu schaffen. Für uns sind Organisationsberater und agile Coaches für die erfolgreiche Umsetzung der digitalen Transformation ein Muss.

Digitale Unternehmensberatungen

Im Zuge der Digitalisierung kristallisiert sich eine neue Form der Unternehmensberatung heraus. Wir nennen diese Kategorie “Digitale Unternehmensberatung”. Im Gegensatz zu einer klassischen Unternehmensberatung haben Digitale Beratungen ihren originären Ursprung im Digital Bereich. Dagegen sind klassische Unternehmensberatungen schon immer Unternehmensberatungen und bieten digitale Beratung nur ergänzend an, weil der Markt es verlangt.

Was zeichnet eine Digitale Unternehmensberatung aus?

Konzeptionelle, beratende und umsetzende Tätigkeiten lassen sich im Digitalbereich nicht mehr klar voneinander trennen. Das heißt, die Beratung erfordert auch ein tiefgreifendes Verständnis digitaler Geschäftsmodelle, von digitalem Marketing, Technologie und Erfahrung in der Zusammenarbeit mit digitalen “Handwerkern” kombiniert mit agilem Methodenwissen.

Digitale Unternehmensberatungen glänzen mit der fachlichen Kompetenz einer digitalen Agentur, ohne jedoch dem Zwang zu unterliegen, handwerkliche Tätigkeiten verkaufen zu müssen. Gleichzeitig denken und gehen sie vor wie Unternehmensberater. Und schließlich bringen wir noch Kompetenz im agilen und modernen Arbeiten mit an den Tisch. Wir selbst zählen uns zu dieser Kategorie der digitalen Unternehmensberatung.

Teil 3: Digitale Kompetenz intern aufbauen

Abschließend gehen wir auf die Frage ein, wie du intern digitale Kompetenz etablierst. Dieses Vorgehen ist aus unserer Erfahrung immer dann empfohlen, wenn dein Kernleistungsversprechen durch Digitalisierung bedroht ist oder du befürchtest, Zugang zu deinen digitalen Kunden zu verlieren. In diesem Fall sollte dein Unternehmen unbedingt in den Aufbau eigener digitaler Kompetenz investieren.

Wer ist euer Chief Digital Officer?

Bevor ihr mit der Umsetzung von Maßnahmen startet, rekrutiert ihr eine seniore digitale Führungskraft. Sofern diese Stelle nicht ohnehin Teil der Unternehmensführung ist, stellst du sicher, dass eine direkte Berichtslinie an den Vorstand oder die Geschäftsführung geht. In vielen Unternehmen wird diese Stelle mit dem Titel eines “Chief Digital Officers” (CDO) belegt, auch wenn die ranghöchste digitale Führungskraft gar nicht Teil des Vorstands ist.

Der Chief Digital Officer hat vor allem Kompetenz im Bereich Unternehmensentwicklung, hat eine gute Kenntnis digitaler Ökosysteme und Technologien und kennt sich auch mit den handwerklichen digitalen Aspekten aus. Zudem sind Methodenkenntnis im Bereich agiler Zusammenarbeit von Vorteil.

Bei der Besetzung dieser Rolle würden wir im Zweifel immer einen internen Mitarbeiter bevorzugen, der sich als Führungskraft bereits behauptet hat sowie einen Bezug zu Technologie oder konkrete IT-Erfahrung aufweist. Kollegen ohne digitalen Bezug, würden wir nicht auf diese Stelle setzen, auch wenn sie gute Führungskräfte sind.

Hier kannst du noch mehr darüber erfahren, welche Kompetenzen ein Digital Leader mitbringen sollte.

Organisatorisches Design – Schnittstellen zu anderen Abteilungen

IT Abteilung: Eure IT Abteilung ist zweifelsohne einer der wichtigsten Partner und Stakeholder für das Gelingen der digitalen Transformation. Allerdings sollte das Digital Hub unabhängig von der IT Abteilung agieren. Die digitale Transformation braucht vor allem Kompetenz im Bereich Strategie, Marketing und Unternehmensentwicklung.

Marketing: Marketingabteilungen sind in ihrem digitalen Denken oft am Weitesten im Vergleich mit anderen Unternehmensbereichen. Das digitale Einkaufs- und Konsumverhalten ist bereits im B2C und im B2B sehr ausgeprägt. An der Schnittstelle zum Marketing entwickelt ihr eine gemeinsame Vision über digitale Customer Journeys und digitale Markterschließung.

HR: Digitalisierung verändert Arbeitsmodelle und -methoden. Um wirklich gute Mitarbeiter für den digitalen Bereich zu gewinnen, müsst ihr agiles und digitales Mindset etablieren. Und da kommt eure HR-Abteilung ins Spiel.

Die HR Abteilung unterstützt beim Recruiting geeigneter Mitarbeiter. Zudem coacht HR Führungskräfte und Mitarbeiter in agiler Methodenkompetenz. Vielleicht stellt eure HR-Abteilung sogar agile Coaches, die gemeinsam mit dem Digital Hub und dem PMO die Voraussetzungen schaffen, dass interdisziplinäre Teams an der Umsetzung digitaler Vorhaben arbeiten können.

PMO: Euer Projektmanagement Office (PMO) ist ebenfalls ein wichtiger Stakeholder bei der Umsetzung und dem Aufbau des Digital Hubs. Heutzutage gibt es kaum noch Projekte ohne digitalen Bezug oder mit Einfluss auf Prozesse und die Customer Experience. Gemeinsam mit dem PMO schafft das Digital Hub ein gemeinsames Verständnis für digitale Customer Journey, Customer Experience und die digitale Entwicklung des Unternehmens.

Digital Board und digitale Governance

Der Wirkungskreis eines Digital Hubs ist sehr weitläufig. Deshalb braucht es auch ein unternehmensweites Forum, in dem die digitale Strategie, der aktuelle Status und weitere Maßnahmen besprochen werden. Dieses Board ist identisch mit der internen Koalition, die wir bereits im ersten Abschnitt besprochen haben.

Das Gremium ist nicht als ein Lenkungsausschuss gedacht und hat auch keine Kontroll- und Überwachungsaufgabe. Vielmehr geht es mit dem Aufbau des Digital Boards um einen Beschleuniger für alle digitalen Aktivitäten im Unternehmen. Um Interessenskonflikte zu vermeiden, sollte das Digital Hub mit der Zusammensetzung des Digital Boards beauftragt sein. Wer agil denkt, hat kein Interesse, andere zu kontrollieren und eine solche Position zu missbrauchen.

Externe Hilfe beim Aufbau eigener Digitalkompetenz

Wenn dein Unternehmen nicht einmal in Ansätzen auf interne Ressourcen und Kompetenzen zurückgreifen kann, dann empfehlen wir, einen externen Berater oder Interims-Manager mit dem Aufbau eures Digital Hubs zu betrauen. Damit stellt ihr sicher, dass die notwendige Qualität und Kompetenz bereits in den Recruiting-Prozess einfließt.

Zudem könnt ihr bereits erste Erfahrungen sammeln, wichtige Stakeholder einbinden und das Digital Hub in der Organisation positionieren.

Zudem erleben wir es oft, dass Unternehmen noch gar nicht so wirklich wissen, was sie von der Digitalisierung erwarten und halten sollen. Wollen wir unser bestehendes Geschäftsmodell digital erneuern, neue Service entwickeln oder vielleicht unsere Arbeits – und Projektorganisation agil erneuern? In diesem Fall hilft eine interimistische Lösung, Klarheit in die eigenen Erwartungen zu bringen.

Fazit – Externe Beratung als Beschleuniger für den Aufbau eigener digitalen Kompetenz

Es gibt wenige Unternehmen, die keine Hilfe oder Beratung zur Digitalen Transformation brauchen. Allerdings solltest Du immer auch in den Aufbau eigener Kompetenz investieren.
Zumindest in der Steuerung von Dienstleistern und Beratern brauchst Du eigene Kompetenz, um deine digitalen Maßnahmen zu koordinieren und externe Partner zu beurteilen.

Das ist ein wenig wie beim Hausbau, die Rolle des Architekten muss besetzt sein. Zum Beispiel kann ein digitaler Beirat diese Rolle übernehmen. Sofern Du in den Aufbau einer eigenen Digital Abteilung investieren möchtest, findest Du hier eine Fallstudie, wie wir ein Digital Hub für ein mittelständisches Unternehmen mit knapp 5.000 Mitarbeitern aufgebaut haben.

Mein Name ist Andreas Diehl, ich bin Gründer der Digitalen Neuordnung. Wir sind eine Digital Beratung spezialisiert auf den Aufbau digitaler Teams und die digitale Entwicklung von Unternehmen. Hier kannst du unseren Blog abonnieren.

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