Interview mit Frank Thelen6 Minuten

Interview mit Frank Thelen6 Minuten 600 315 Andreas Diehl (#DNO)

Frank Thelen  ist Techie, Gründer und Investor, den meisten aus der TV Serie „Die Höhle der Löwen“ bekannt. Wir sprechen über Startups, Gründer, seine Investmentfirma Freigeist Capital, warum wir als Techies in einer digitalen Bubble leben und das 100 Mio. Euro Venture aus Deutschland Lithium Aviation.

Weitere Beiträge

Das Interview im Transkript

I: Frank, herzlich Willkommen.

F: Vielen Dank. Wieder schön, hier zu sein.

I: Ich glaube, zu dir müssen wir jetzt zum Intro nichts weiter sagen, lass uns vielleicht über Freigeist reden, dein neues Investment / Investmentfirma. Wen adressierst du damit, was ist die Idee dahinter?

F: Ich bin so ein bisschen in dieses Investmentgeschäft reingestolpert. Ich war Gründer und dann haben wir ein Unternehmen verkauft und haben gedacht, wir wollen etwas zurückgeben. Und dann haben wir das einfach E42 genannt, weil 42 die Antwort auf alles ist. Dann hat sich das Investment-Geschäft aber immer stärker entwickelt, ich habe nochmal selber gegründet mit doo, was ja dann nicht so gut funktioniert hat. Das Produkt hat nicht funktioniert.

Aber mit Scanbot haben wir heute eine tolle Erfolgsgeschichte. Und dann haben wir uns dazu entschieden, jetzt machen wir wirklich nur noch Investments. Vollzeit. Und damit haben wir auch gedacht, ist die Zeit gekommen, einen neuen Brand, nämlich Freigeist, zu etablieren. Wir haben zwei Gebiete: Das eine ist Food, da haben wir jetzt sieben Food-Startups, die kommen aus “Die Höhle der Löwen”. Und wir haben einen Tech-Bereich, wo wir zum Beispiel “Lilium Aviation” machen.

I: Über die können wir ja gleich noch reden. Aber vielleicht speziell zum Food-Bereich, macht ihr da die gesamte Food-Wertschöpfungskette, Herstellung, (Dispution?)?

F: Ja. Zum Beispiel bei Lizza haben wir einen eigenen Teig entwickelt, Leinsamenteig, wir haben eine eigene Produktion bei Ankerkraut, da haben wir eine Gewürzmanufaktur, wo wir wirklich selber abfüllen. Also wir gehen da schon sehr tiefgreifend in die Produktion. Natürlich auch den Vertrieb, LEH, wir sind echte Food-Startups geworden, also echt tief drin.

Frank Thelen über Little Lunch

I: Du bist ja eher so ein digitales Kind. Was genau ist der Grund, Food zu machen?

F: Bei Little Lunch war ich mir noch unsicher und habe mir gesagt: „Was soll ich mit einer Suppe?“. Aber die Judith hat gesagt: „Mensch Frank, die schmeckt so gut. Das machen wir jetzt mal zusammen.“. Und da habe ich gedacht: „Oh scheiße, Suppe.“. Und habe gedacht, da mache ich jetzt ein Abo-Modell draus und verkauf die an meine Startups. Also, jeden Monat kriegen die ihre Suppe oder jede Woche. Und so war ich noch in meiner komplett digitalen Welt.

Und dann auf einmal hat aber der Gründer gesagt: „Ey, wir müssen das auch in den Handel bringen.“. Und da habe ich gesagt: „Okay, jetzt gehen wir mal zum Real und zum REWE.“. Und auf einmal hatten wir Bestellungen von 500 Tausend, 600 Tausend Euro. Halt echt großen Umsatz. Und habe gedacht: „Wow, die Leute essen ja viel und gehen echt viel einkaufen.“. Und das hat mir nochmal gezeigt, wie sehr ich in meiner Tech-Bubble hing, in meinem App-Store, Aso, Social Media.

Ich habe da wirklich jeden Millimeter optimiert. Aber mal auch rauszugucken und zu sagen: „Die Leute essen echt viel und da gibt es irgendwie echt große Läden.“. Das haben wir da gelernt. Und das macht viel Spaß und deswegen war Little Lunch der Startschuss. Heute sind es sieben, wir nennen sie die Food-Family. Und die arbeiten auch sehr eng zusammen.

I: Wie viel, also was außer Kapital, bringst du noch mit? Ich meine, du hast eine ungeheure Popularität, also ich glaube, du kannst viele Türen öffnen. Aber wie muss ich mir eine Zusammenarbeit mit Freigeist oder speziell mit dir vorstellen als Gründer?

Das Freigeist Team – Investmentfirma seit 15 Jahren

F: Ja, also erstmal gibt es mich nie, sondern immer nur Freigeist. Wir sind ein Team, wir machen das seit ich glaube 15 Jahren mittlerweile zusammen. Das ist der Alex Koch, das ist der CTO, das ist der Marc Sieberger, der macht Finance Operations und ich mache halt Vertrieb Produkt. Und wir haben jetzt noch neu dazu genommen den Marcel Vogler, der mit mir Operations und Vertrieb macht. Und wir sind immer ein Team und wir sind auch komplett komplementär.

Also klar, mein Hintergrund ist auch Technik, aber das, was der Alex Koch da kann, ist einfach noch etwas völlig anderes. Genauso wie im Finanzbereich oder im Rechtsbereich halt der Marc. Man bekommt immer uns als Gesamtteam, wir machen nichts anderes. Wir machen wirklich nur Investments, wir bauen nur diese Startups auf. Und gehen wir zum Beispiel in den Food-Bereich rein, wenn man bei uns einen Deal macht, dann kriegt man wirklich uns als Co-Founder gefühlt dazu.

Also man muss auch vielleicht mal mit den Gründern sprechen, so wie ich das erzähle. Wir bauen den Shop, wir machen das Design, wir gucken HR, wen stellen wir ein, wir etablieren die Prozesse. Ich gehe persönlich an der Hand zum Edeka, ich komme gerade heute vom Real, wo ich mit meiner Food-Family war. Wir gehen in die Läden rein, wir machen das groß. Wir bringen die Testimonials ran, also wir leben das. Wir fühlen uns als Co-Founder und wir sind einfach sehr, sehr eng dran.

I: Das kann ich dir nur bestätigen. Ich habe es aber auch nur über zwei Ecken //tatsächlich erfahren.//

F: // Oh, vielen Dank. //

I: Ja, dass die Zusammenarbeit mit Frank Thelen insbesondere der Input im Bereich Produkt, Produktmarketing enorm wertvoll gewesen wäre. //Wertvoller// als alles andere.

F: //Super.// Vielen Dank. Es ist natürlich immer schwer, selber zu sprechen, aber wir leben das wirklich. Und wir machen auch Fehler und wir machen auch Mist und es ist auch nicht immer alles Friede Freude Eierkuchen. Da wird halt auch mal diskutiert. Aber was wir wirklich machen ist, wir hängen mit Passion dran und wir gehen mit den Händen ran. Und wir sagen nicht: „Oh, wir machen nur Strategie.“. Sondern wir gehen wirklich in den Edeka und wir machen den Kram wirklich und wollen es auf die Straße bringen.

Frank Thelen über Lilium Aviation, das elektrische Lufttaxi

I: Jetzt gehen wir mal zurück in unsere Tech-Bubble. Das erste Investment, was du vorhin genannt hast, kannst du dazu noch etwas sagen?

F: Lilium Aviation. Ja, sicherlich ist es immer schwer zu sagen, aber wahrscheinlich der Deal oder das Startup, das Produkt meines Lebens. Wir haben die vier Gründer mit Daniel Wiegand als CEO getroffen und die haben gesagt: „Ja, wir wollen verändern, wie Menschen von A nach B kommen. Wir wollen ein 100 Prozent elektrischen vertical Take-off and landing Jet machen.“. Das heißt, der startet und landet, wie man es zum Beispiel von so einer DJV-Drohne kennt, also kann überall landen und starten.

Wir dann aber, und das ist der große Unterschied, macht einen Transitionsflug hin zum echten Jet. Und fliegt dann 300 km/h schnell. Damit kann man sehr effizient reisen. Und wenn eine Drohne sich immer selber hochbringen muss, verbraucht sie eine Menge Energie. Komme ich einmal in diesen Gleitflug rein, dann verbrauche ich sehr wenig Energie. Das ist aber sehr schwierig, diese Transition hinzubekommen, und die haben gesagt: „Wir können das, wir können das bauen.“.

Und dann hatten wir das große Glück mit Alex Koch, das Flugzeug wirklich auch durchrechnen zu können und zu gucken, funktioniert es? Und ich konnte mir eine Meinung zum Markt bilden und so weiter, dann haben wir das geprüft und gesagt: „Ich glaube, die schaffen das.“. Und dann haben wir da investiert und alle haben uns eigentlich für verrückt erklärt, weil die gesagt haben: „Frank, du kannst doch jetzt nicht in ein Flugzeug investieren.“.

Und ich habe Artikel bekommen, Listenweise, wo Milliardäre damit Pleite gegangen sind, weil sie ein Flugzeug bauen wollten. Jetzt kam aber folgendes: Erstens, diese vier Gründer sind unfassbar. Also sie sind auch, weiß ich nicht, drei, vier, fünfmal so klug wie ich. Also die sind wirklich richtig klug. Das andere war, es sind neue Technologien gekommen wie 3D-Druck, unlimited Cloud-Computing, ich kann auf einmal auf einer GPU Strömungsberechnungen machen. Die Batterietechnologie ist weiter gekommen.

Das heißt: Ja, in den letzten drei Jahren wäre das Projekt nicht möglich gewesen. Aber jetzt, durch die neue Technologie in Kombination mit diesen vier unfassbaren Köpfen haben wir es geschafft und haben das Flugzeug innerhalb von zwei Jahren gebaut und haben den Maiden-Flight, also den ersten Flug, erfolgreich absolviert. Und konnten jetzt knapp 100 Millionen Dollar Kapital dafür bekommen, was ja auch sehr selten in Europa ist, um wirklich das Flugzeug zu bauen.

Sind Lufttaxis das Fortbewegungsmittel der Zukunft?

I: Okay, wann können wir denn damit rechnen? Was soll das Flugzeug kosten und wann ist es soweit, dass das im Massenmarkt tauglich ist?

F: Also das ist eine wirklich schwierige Frage, weil viele Regulatoren anhängen. Was macht eine EASA, wann dürfen wir wie fliegen. Wir reden hier aber über wenige Jahre und nicht Jahrzehnte oder so etwas. Sondern wir wollen es wirklich schnell auf den Markt bringen. Und wir wollen es nicht rich Kids verkaufen, sondern wir wollen damit wirklich Transportation verändern. Das heißt, wir wollen Berlin anbinden, wir wollen vielleicht nach New York den Flughafen anbinden. Wir wollen wirklich Strecken anbieten, die eine sehr hohe Frequenz haben und wir wollen möglichst viele Leute mit Lilium CO2-Neutral transportieren. Also es wird nicht ein: „Oh cool, der hat jetzt ein Lilium-Jet.“, wie so ein Porsche Turbo. Sondern wir werden das als Transportation in den Markt einführen, um Leute sicher CO2-Neutral von A nach B zu führen.

I: Aber ist das ein Transportmittel für mich als einzelne Person oder für Gruppen?

F: Sowohl als auch. Die Version, die wir aktuell entwickeln, kann vier bis fünf Personen aufnehmen. Aber es ist kein 100 Mann Jet, sondern es ist wie eine C-Klasse von Mercedes.

I: Vielleicht erleben wir es ja auf der nächsten StartupCon, dass wir hier mal einen kleinen Testflug durch die Köln-Arena machen können.

F: Ja, vielleicht lande ich damit. Das gute ist nämlich, das Ding ist so leise beim Landen, das ist auch unfassbar. Also ja, ich habe ja immer so eine hidden Agenda, ich habe Wunderlist gebaut, weil mir halt ein guter Taskmanager für GGD gefehlt hat mit Christian Reber zusammen. Und jetzt Lilium habe ich einfach, weil ich so viel reise und das ist so schmerzhaft immer… Ich will das Ding selber haben, ganz dringend.

I: Okay. Wie im Vorschlag, wir reden mit der Frau Reker, die war heute leider nicht hier, der OB von Köln // vielleicht wegen der Öffnung/ //.

F: // Ja, die kenne ich, ja. //

I: Ja, dann müssen wir nur noch über die Öffnung vom Dach reden. Vielen Dank, dann freue ich mich auf das nächste Jahr.

F: Ja, genau.

I: Dankeschön.

F: Super, vielen Dank.

Hast Du Fragen, Ergänzungen oder Kommentare?

%d Bloggern gefällt das: