Startup Canvas – Das Business Model Canvas für Startups5 Minuten

Startup Canvas – Das Business Model Canvas für Startups5 Minuten 600 315 Andreas Diehl

Das Startup Canvas ergänzt das Business Model Canvas um einige Prozesse zur Entwicklung deines Startups von der ersten Idee bis zum Product-Market-Fit.

In diesem Beitrag zeige ich Dir, wie Du mit dem Startup Canvas arbeitest und damit die Entwicklung deines Startups gestaltest.

Vorteile und Ziele des Startup Canvas

Die Arbeit mit dem Startup Canvas hat zahlreiche Vorteile:

  1. Das Startup Canvas bietet Dir einen strukturierten Rahmen für die Entwicklung deines Geschäftsmodells. Gerade wenn Du als Gründer eher “intuitiv” handelst, ist das Startup Canvas eine gute Übung deine Annahmen zu ordnen und zu reflektieren.
  2. Mit dem Startup Canvas findest Du schneller heraus, welche Annahmen falsch und nicht tragbar sind. Das spart Dir Zeit und Geld.
  3. Das Startup Canvas bietet Dir und deinen Co-Foundern eine einheitliche Sprache für die Diskussion und die Entwicklung eures Geschäftsmodells. Das schafft Klarheit und sorgt für ein gemeinsames Verständnis über Ziele, Hypothesen und die Priorisierung der nächsten Schritte.

Das Ziel – Product-Market Fit erreichen

Der Product-Market Fit bezeichnet den Zeitpunkt, wenn deine angebotene Leistung ihren Markt gefunden hat. In der Struktur des Business Model Canvas bedeutet das, dass Du alle Bestandteile deines Geschäftsmodells in Grundzügen planen kannst.

  • Value Proposition: Du verstehst, wie deine Leistung am Markt platziert wird.
  • Customer Segments: Mindestens eine Kundengruppe ist Dir bekannt.
  • Channels und Customer Relation: Du verstehst die Customer Journey deiner Kunden und hast mindestens einen Kanal, wie Du strukturiert Kunden erreichen und an Dich binden kannst.
  • Revenues: Du hast einen Preispunkt gefunden, zu dem die Kunden bereit sind dein Produkt zu kaufen.

Damit hast Du die werttreibenden Faktoren deines Geschäftsmodells verstanden. Das findet sich auf der rechten Seite des Business Model Canvas. Auf der linken Seite hast Du Antworten, wie Du deine Leistung realisierst. Auch hier kannst Du mit Erreichen des Product-Market-Fit bereits wesentliche Aussagen treffen:

  • Key Ressources: Du hast verstanden, welche Ressourcen (finanziell, materiell, Mitarbeiter etc.) Du brauchst.
  • Key Activities: Dir ist klar, welche Aktivitäten für die Erbringung deiner Leistung notwendig sind und die höchste Priorität haben. Nicht alles ist gleich wichtig, gerade Startups müssen lernen sich extrem zu fokussieren.
  • Key Partners: Welches sind Partner, ohne die Du deine Leistung nicht erstellen kannst? Gibt es kritische Partnerschaften, von denen Du abhängig bist und ohne die Du dein Produkt nicht oder nicht profitabel herstellen kannst?
  • Costs: Du hast verstanden, welche variablen und fixen Kosten auf Dich zukommen. Das heißt, Du kannst die Unit Economics in allen Varianten  darstellen.

Mit Erreichen des Product-Market-Fit hast Du die wichtigsten Annahmen für den Aufbau deines Geschäftsmodells verifiziert und die Grundlagen geschaffen nun richtig durchzustarten. Die Grundlagen für ein skalierbares Geschäftsmodell und ein erfolgreiches Unternehmen sind gelegt.

Mit dem Startup Canvas arbeiten

Vorbereitungen und Materialien

Um mit dem Startup-Canvas zu arbeiten, brauchst Du:

  • Haftnotizen, Stifte
  • BMC Template in DIN A0, A1 oder A2 (Download Template)
  • Flächen / Wände zum Aufhängen des Canvas
  • Erfahrung in der Methodik des BMC
  • Einen wöchentlichen wiederkehrenden Termin von mindestens 2 Stunden mit allen Co-Foundern

Sofern Du noch nicht mit dem BMC vertraut bist, findest Du in der Einführung zum Business Model Canvas ein Beispiel.

Der Unterschied zwischen Hypothesen und Erkenntnissen

Ein Startup hat viele unbekannte Faktoren in seinem Geschäftsmodell. Dein Startup Canvas enthält also mindestens zwei unterschiedliche Eintragstypen. Jeder Eintrag erhält eine unterschiedliche Farbe.

  • Hypothesen (orange): Du hast eine Idee, Beobachtung oder Vermutung, die aber noch völlig unvalidiert ist
  • Erkenntnisse (grün) Du siehst eine Hypothese als validiert an

Natürlich kannst Du Dir noch weitere Farben und Abstufungen überlegen. Zum Beispiel wäre eine mögliche Abstufung, dass Du mit fünf Kunden gesprochen hast und sich die Hypothese nicht als völliger Humbug erweist. Die Schwierigkeit bei der Validierung von Hypothesen besteht darin, dass auch vermeintliche Erkenntnisse immer nur eine Momentaufnahme darstellen. Deutlich klarer und einfacher ist es, Hypothesen zu widerlegen. Deswegen kannst Du sehr großzügig mit der Formulierung von Hypothesen sein, aber solltest schnellstmöglich versuchen sie zu widerlegen, damit wieder Ordnung und Struktur in dein Startup Canvas einzieht.

Anleitung zur Nutzung des Startup Canvas

Im nun folgenden Abschnitt zeige ich Dir, wie das Startup Canvas Dir hilft deinen Product-Market-Fit zu erreichen. 

  1. Dein aktuelles Geschäftsmodell erfassen

    Zunächst tragt ihr den aktuellen Status im Business Model Canvas ab. Dazu bedient ihr euch der definierten Farben für Hypothesen und Erkenntnisse. Geht einmal durch das gesamte Geschäftsmodell eures Startups. Wenn ihr noch viele weißen Flecken habt, muss euch das nicht aufhalten. Gerade in der frühen Phase eines Startups sind Value Proposition und Kundensegmente die wichtigsten Bausteine.

  2. Priorisieren – Welche Hypothesen testet ihr zuerst?

    Im nächsten Schritt priorisiert ihr die Hypothesen. Da jedes Startup unter chronischem Geld- aber vor allem Zeitmangel leidet, ist es sehr wichtig, dass ihr sehr diszipliniert bei der Priorisierung der zu beweisenden Hypothesen seid. Welches sind wirklich zwingende Voraussetzungen, damit euer Geschäftsmodell aufgeht? Gibt es Hypothesen, die die ganze Idee hinfällig lassen werden? Geht zuerst auf die wirklichen Schmerzpunkte und “deal breaker”, um nicht unnötig Zeit zu verschwenden.

  3. Experimente für die wichtigsten Hypothesen designen

    Überlegt euch Experimente, wie ihr Hypothesen verifizieren wollt. Definiert eure Erwartungshaltung und seid ehrlich mit euch selbst, wenn ihr diese Hypothese als widerlegt betrachtet. Es ist leider menschlich, dass wir Informationen so bewerten und Ergebnisse so interpretieren, dass sie zu unserer Erwartungshaltung passen. Das vermeidet ihr durch eine sehr klare und konkrete Formulierung der Erwartungshaltungen. Die Experimente könnt ihr natürlich mit Haftnotizen mit einer weiteren Farbe in eurem Canvas mappen. 

  4. Aufgaben bis zur nächsten Review verteilen

    Verteilt Aufgaben, wie die definierten Experimente gestaltet werden sollen, definiert eine Deadline bzw. einigt euch auf die Anzahl von Experimenten und Aufgaben bis zur nächsten Review. Einigt euch darauf, welche Aufgaben ihr in der nächsten Woche erledigen wollt. Zur Unterstützung könnt ihr hier natürlich ein eigenes Trello Board o.ä. erstellen, um den Überblick über anstehende ToDos zu haben. Arbeitet an der Umsetzung der Experimente.

  5. Retrospektive und Reviews alle 1-4 Wochen

    Trefft euch nach 1-4 Wochen wieder, geht die Aufgaben durch und diskutiert gewonnene Erkenntnisse. Schreibt eure Einträge um, verwerft Hypothesen, formuliert neue oder übersetzt Hypothesen in Erkenntnisse. Sprecht vor allem darüber, wie ihr eure Zusammenarbeit verbessern könnt. Was war gut, was nicht, welche Ideen habt ihr um schneller und besser zu werden.

  6. Product-Market Fit erreicht

    Wenn es soweit ist, werdet ihr es merken. Kunden wollen euer Produkt und sind bereit, dafür zu zahlen. Auf eurem Canvas hängen vor allem grüne Haftnotizen. Ihr könnt die wesentlichen kritischen Fragen zum Aufbau und zu der Entwicklung eures Geschäftsmodells beantworten.

Das Startup Canvas im Einsatz mit Investoren

Das Business Model Canvas hat sich mittlerweile als “quasi” Standard für die visuelle Kommunikation von Geschäftsmodellen etabliert. Allerdings ist das BMC kein vollwertiger Ersatz für einen Businessplan. Das BMC ist primär ein Kommunikationswerkzeug, das aufgrund seines Designs gewisse Limitierungen hat, die für eine Wirkung als Kommunikationswerkzeug auch notwendig sind.

Wenn Du in Gespräche mit Investoren gehst, finde ich ein gut gepflegtes Startup Canvas eine sehr sinnvolle Bereicherung. Es zeigt mir als Investor, dass Du in der Lage bist die Entwicklung deines Unternehmens strukturiert anzugehen und einen Plan verfolgst. Damit machst Du transparent, welche “blinden Flecken” dein Geschäftsmodell noch hat und als Investor kann ich mich aktiv einbringen, um Dir zu helfen diese Lücken zu schließen.

Fazit – Das Startup Canvas schafft Ordnung auf dem Weg zum Product-Market Fit

Das Startup Canvas ist ein wirkungsvolles Werkzeug, um deinen Weg zum Product-Market  Fit zu strukturieren. Vor allem in der Kommunikation und in der Zusammenarbeit zwischen Co-Foundern und mit potentiellen Investoren bietet das Startup Canvas eine sehr wertvolle Hilfestellung. Allerdings ist auch das Startup Canvas nur eine “Trockenübung”. Ein Poster an der Wand mit ein paar bunten Haftnotizen kann und soll den direkten Kontakt mit dem Kunden und das Prototyping deines Produktes nicht ersetzen. Aber es hilft den Weg zum Product-Market-Fit strukturiert und effizient zu durchlaufen.in wenig Ordnung zu haben.

Viel Erfolg dabei.

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