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Das Zusammenspiel von Design Thinking, Lean Startup und Scrum

Darstellung von Gartner, die das Zusammenspiel von Design Thinking, Lean Startup und Scrum im Zeitablauf verdeutlicht.

In den letzten Jahren hat sich die oben stehende Gartner Grafik (2016) etabliert, um das Zusammenspiel von Design Thinking, Lean Startup und Scrum zu erklären. Dabei ist die grundlegende Aussage, dass die Entwicklung von neuen Vorhaben ganz grob in drei aufeinanderfolgenden Phasen erfolgt. 

  1. Design Thinking – In sehr frühen Phasen setzt Du auf Design Thinking, um den Kunden und das Kundenproblem zu verstehen. 
  2. Lean Startup  – In der zweiten Phase beginnst Du, minimal überlebensfähige Produkte zu bauen (Minimum Viable Products – MVPs).
  3. Agile / Scrum – Im Anschluss führst Du die Entwicklung in einem kontinuierlichen agilen Prozess mit Scrum fort.

Es liegt in der Natur der Sache, dass eine solch vereinfachte Darstellung immer auch ein wenig Erklärung benötigt, damit sie nicht miss(t)verstanden wird und zu falschen Rückschlüssen führt. Deswegen findest Du in den folgenden Absätzen die Beipackinformationen, mit denen ich die Gartner Darstellung gerne kommentiere.

Erst das Problem verstehen, dann Lösungen entwickeln

Eine offensichtliche und wertvolle Aussage der Gartner Darstellung ist, dass Du zuerst das Kundenproblem und den Kunden verstehen darfst, bevor Du überhaupt mit der Entwicklung einer Lösung startest. Das kann man gar nicht oft genug wiederholen und die Grafik bringt das sehr eingänglich auf den Punkt. Allerdings verschweigt die Grafik, dass das “Begreifen” in dieser frühen Phase nicht nur eine rein intellektuelle Aufgabe ist. Vielmehr heißt Design Thinking in dieser frühen Phase auch Prototypen zu bauen und mit dem Kunden zu testen. Denn nur so lernst Du den Kunden und sein Problem besser zu verstehen. Dabei sind gemeinsame Co-Creation Workshops mit dem Kunden ein ideales Format.

Struktur nimmt zu, Chaos lässt nach

Ein zweite Aussage, die ich mit der Grafik gerne verbinde ist, dass dein Vorgehen von links nach rechts strukturierter wird und das kreative Chaos entsprechend abnimmt. Während Du in der ersten Phase noch im Minuten- und Stundentakt neue Ideen einbringst, iterierst Du mit deinem MVP in Tagen oder sogar Wochen. Schließlich findet das “ungeplante Chaos” in einem agilen Regelprozess mit einer ein- bis vierwöchigen Taktung sein Ende. Dieser strukturierte agile Prozess ist allerdings nur dann ratsam, wenn Du wirklich verstanden hast, dass dein Produkt die richtige Lösung für das Kundenproblem ist. Solange Du da unsicher bist und eine “schnellere Drehung” brauchst, ist ein solch regelbasiertes Vorgehen mehr Hindernis als Hilfe. 

MVPs können auch in Scrum Teams gebaut werden

Die Grafik suggeriert, dass der Bau eines MVPs nichts mit einem agilen Regelprozess zu tun hat. Allerdings kann auch dein erster MVP sehr aufwändig in der Umsetzung sein. Dann wäre ein Scrum-Setup das richtige Vorgehen, um diese Entwicklung zu managen. So verläuft generell keine trennscharfe Linie zwischen der Entwicklung eines MVPs und dem Scrum-Prozess, wie in der Gartner Darstellung suggeriert. Allerdings ist die gewählte Darstellung eine Erinnerung daran, dass Du dich mit der ersten Version deines Produktes auf eine minimale Version fokussieren solltest, statt dich zu früh in die (skalierte) Entwicklung deines Vorhabens zu stürzen.

Apropos Skalierung, eine Zusatzinformation, die ich besonders gerne bei großen Organisationen platziere: Die ideale Teamgröße steigt erst im Laufe des Vorhabens. Am liebsten mag ich, wenn die erste Phase von 2-3 Leuten mit hohem Fokus begleitet wird. Für den ersten MVP darf das Core Team dann gerne auch auf Spezialisten und externe Partner zugreifen. Sofern das Core Team bereits alle Kompetenzen hat, darf es diese Größe von 2-3 Leuten auch gerne für den MVP aufrechterhalten. Die “volle Kapelle” tritt aber erst an, wenn der MVP erprobt ist und das Produkt in eine dauerhafte “stabile “ Entwicklung geht. 

Design Thinking ist allgegenwärtig

Der wichtigste Punkt und sicherlich auch eine berechtigte Kritik an der Darstellung ist die Degradierung von Design Thinking auf eine Methode zu Beginn eines Vorhabens. Das wäre ein sehr großes Miss(t)verständnis. Vielmehr ist Design Thinking eine grundlegende Kompetenz, die dich über den gesamten Entwicklungszyklus begleitet. So nutzt Du Design Thinking auch während der MVP-Entwicklung und der dauerhaften Entwicklung, um neue Features zu priorisieren. Denn als Product Owner fragst Du dich bei jedem neuen Leistungsmerkmal, welches relevante Problem des Kunden Du damit löst. Dabei suchst Du ganz im Sinne des Design Thinking zuerst nach einfachen Tests und Prototypen, um die Akzeptanz schon vor einer teuren Entwicklung zu testen. Basierend auf diesen Erfahrungen formulierst Du schließlich User Stories als Vorgabe für die Entwickler und die Umsetzung des neuen Features. Und wenn das Problem, das dein Produkt löst, nicht mehr relevant genug ist, ist es Zeit für eine Einstellung oder einen grundlegenden Strategiewechsel. Damit ist Design Thinking eine elementare Kompetenz während des gesamten Entwicklungszyklus. 

Design Thinking, Lean Startup, Scrum nach Gartner mit eigenen Anmerkungen.

Design Thinking, Lean Startup, Scrum nach Gartner mit eigenen Anmerkungen.

Fazit – Sehr hilfreich mit Zusatzinformation

Everything should be made as simple as possible, but not simpler.

Albert Einstein

Ein großer Verdienst der Gartner Darstellung ist die Einordnung der drei zentralen Konzepte Design Thinking, Lean Startup und Scrum. Denn mit der Grafik gelingt es, das Zusammenspiel sehr anschaulich zu erklären. Dabei gibt es jedoch keine trennscharfe Linie zwischen Design Thinking, Lean Startup und Scrum. Das macht die Grafik nicht schlechter als sie ist. Vielmehr liegt es in der Verantwortung jedes Einzelnen, sich mit Design Thinking, Lean Startup und Scrum zu beschäftigen und dann seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Die Gartner Darstellung ist dazu sicher ein guter Einstieg.

Viel Erfolg dabei.

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