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Design Thinking Beispiele – So funktioniert Design Thinking “in echt”

23. April 2024

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Design Thinking Beispiele – So funktioniert Design Thinking “in echt”

23. April 2024

von

Andreas Diehl

Die folgenden Design Thinking Beispiele sollen dir helfen, Design Thinking besser zu verstehen. Vielleicht kannst Du das ein oder andere Beispiel ja auch in einem Design Thinking Workshop nutzen. 

  1. Die Geschichte von DropBox
  2. Kartoffeln sind gesund, aber keiner will sie essen
  3. Der Trolley – erst Flop, dann Top
  4. Der Hippo Roller
  5. Anti-Beispiele und das Homer-Mobile

Dabei habe ich ganz bewusst Design Thinking Beispiele “aus dem echten Leben” gewählt. Denn zu oft wird Design Thinking mit Übungen simuliert, statt mit ein paar guten Design Thinking Beispielen zu betonen, worum es im Design Thinking geht. Nämlich darum, reale unternehmerische, organisatorische, ökologische und soziale Probleme zu lösen. 

Was ist Design Thinking?

Design Thinking ist im Kern eine Denkhaltung, bei der Du konsequent erst Kunden, ihre Probleme und Herausforderungen betrachtest, um aufbauend auf diesen Einsichten Lösungen mit dem Kunden zu verproben. Dazu gehst Du z.B. im Rahmen eines Design Thinking Workshops systematisch durch die sechs Phasen des Design Thinking Prozesses.

  1. Verstehen  – Das Problem bzw. den Challenge verstehen
  2. Beobachten – Interviews mit und beobachten von Usern und Kunden 
  3. Standpunkt – Einen gemeinsam Standpunkt und Arbeitshypothesen formulieren
  4. Ideen – Ideen für eine Lösung entwickeln und priorisieren
  5. Prototype –  Einfache und schnelle Prototypen umsetzen
  6. Testen – Deine Prototypen mit dem Kunden verproben und Feedback sammeln

Zum Abschluss gehst Du in ein De-Briefing und reflektierst in welcher Phase des Design Thinking Prozesses Du vielleicht wieder einsteigen möchtest, um von da aus wieder alle Phasen zu durchlaufen. Als erprobter Design Thinker willst Du möglichst schnell durch den Design Thinking Prozess laufen, um auf Basis empirischer Belege und Feedback seiner Nutzer, deine Lösungen immer weiter zu verbessern.

Schaubild Design Thinking Prozess - Phase 6 - Testen.
Der Design Thinking Prozess endet mit einer Verprobung am Kunden – Quelle: Andreas Diehl

Was ist das Ziel von Design Thinking?

Design Thinking war dann erfolgreich, wenn deine erarbeiteten Lösungen drei Bewertungskriterien standhalten:

  1. Desirability– Von Kunden gewollt
  2. Feasibility – Technisch machbar
  3. Viability– Wirtschaftlich sinnvoll
Schaubild: Design Thinking - Bewertungskriterien Desirability, Feasibility, Viability
Design Thinking – Bewertungskriterien Desirability, Feasibility, Viability. Quelle: Andreas Diehl.

Wozu Design Thinking Beispiele?

Am besten kannst Du Design Thinking erklären, indem du Teilnehmer in einem Workshop durch alle Phasen des Design Thinking Prozesses führst und sie an praktischen Fragestellungen arbeiten lässt. Das erfordert jedoch im besten Fall einen ganzen Tag. Also kannst Du diese nun folgenden Design Thinking Beispiele nutzen, um wichtige Aspekte des Design Thinking auch in kurzen Arbeitssessions zu erläutern bzw. um bestimmte Aspekte des Design Thinking hervorzuheben. 

Design Thinking Beispiel – Dropbox

Das erste Design Thinking Beispiel findest Du in der Gründungsgeschichte des Unternehmens “Dropbox”. Denn der Start der Dropbox war alles andere als ein Selbstläufer. Als Drew Houston startete, war das Ablegen von Teilen von Dokumenten keine bahnbrechende technische Innovation mehr. Dennoch lautete die initiale Hypothese des Dropbox Gründers, dass das schnelle Synchronisieren von Dokumenten auch zwischen mobilen Geräten ein Begeisterungsmerkmal für den Anwender ist. Sein Problem: Für eine kommerzielle Bereitstellung benötigte er Kapital. Allerdings sahen Investoren in der Dropbox keine ausreichenden Alleinstellungsmerkmale. 

Schaubild: Das Henne-Ei-Problem von Drew Houston
Das Henne-Ei-Problem von Drew Houston. Quelle: Andreas Diehl.

Also stellte Drew Houston ganz im Sinne des Lean Startup Prinzips das folgende Video mit einer einfachen Landingpage ins Netz. Das Ergebnis: über 50.000 Registrierungen in wenigen Tagen. Der Rest ist Internetgeschichte. Dieses Design Thinking Beispiel zeigt eindrucksvoll, wie durch den Fokus auf das zu lösende Problem (fehlende Belege für starken USP) und einen einfachen Prototyp (in dem Fall das Video) empirische Belege für die Nachfrage und das zu lösende Probleme generiert werden.

Design Thinking Beispiel – Kartoffel

Das zweite Design Thinking Beispiel hast Du regelmäßig in der Hand oder auf dem Teller. Im 18. Jahrhundert erkannte ​​Katharina die Große das Potential der Kartoffel als gesundes und günstiges Nahrungsmittel. Das Problem: Keiner wollte Kartoffeln essen. ​​Also griff Katharina die Große zu einem Kniff: Sie positionierte Kartoffeln als Gemüse des Adels, untersagte dem Volk den Anbau von Kartoffeln und ließ königliche Kartoffeläcker bewachen (von Wachen, die nicht wirklich gut aufpassten). Das Resultat: Die Kartoffel wurde “geklaut” und auf einmal höchst attraktiv. Was kannst Du aus diesem Design Thinking Beispiel mitnehmen? 

  1. Design Thinking ist vermutlich älter als die Kartoffel.
  2. Design Thinking erfordert eine hohe Empathie. Denn dass Leute keine Kartoffeln essen, ist erstmal nur eine Beobachtung und Feststellung. Von einem Problem im Sinne einer “SOLL-IST” Diskrepanz ist der Nutzer weit entfernt. Erst das empathische Verständnis für den Nutzer und die Positionierung als “königliches Gemüse” schafften ein Problem aus Sicht des Nutzers. Das Beispiel zeigt auch schön, dass ein Bedürfnis nicht immer auf einer funktionalen, sondern auch auf einer sozialen und emotionalen Ebene liegen kann. 
  3. Ausprobieren und Testen – Der Prototyp ist das Einzäunen der Anbauflächen, ein paar unaufmerksame Wachen und die einfache Proklamation, dass der Anbau ab jetzt verboten ist. 
  4. Jeder kann Design Thinker sein, es erfordert Einfühlungsvermögen und Denkarbeit.

Hippo Roller

Die Erfindung des Rads ist mehr als 5.000 Jahre her, die ersten Schubkarren wurden vor 2.500 erwähnt, Plastik im 19 Jahrhundert erfunden. So zeigt das Design Thinking Beispiel des Hippo Rollers hervorragend auf, dass es beim Design Thinking nicht immer um bahnbrechende neue Ideen geht. Sondern auch darum, bestehende Mittel und Lösungen kreativ miteinander zu konfigurieren, so dass eine innovative Lösung für das zu lösende Problem entsteht. Die Lösung findest Du unten, aber was glaubst Du denn, welches Problem löst dieses Design Thinking Beispiel?

Foto: Kinder in Afrika, die einen Hippo-Roller schieben.
Der Hippo-Roller im Einsatz – Quelle: hipporoller.org 

Hier nun meine Sicht auf die zu lösenden Probleme in diesem Design Thinking Beispiel:

  1. Versorgung mit sauberem Trinkwasser in schlecht versorgten Gebieten.
  2. Bisheriger Transport (z.B. auf dem Kopf) birgt ein großes Risiko des Verlusts, zudem können nur geringe Mengen transportiert werden.
  3. Lange Wegstrecken, hohe körperliche Belastung.
  4. Große psychische Belastung der Träger bei Verlust.

Diese Probleme löst der Hippo-Roller extrem elegant:

  1. Größere Mengen sauberes Trinkwasser
  2. Kein Ausfallrisiko
  3. Es macht Spaß
  4. Auch jüngere Kinder können Wasser transportieren
  5. Straßen / Wege werden plantiert

Ein schönes Beispiel dafür, dass Design Thinking auch soziale und gesellschaftliche Probleme lösen kann. 

Design Thinking Beispiel – Trolley

Wie würden wir ohne dieses Design Thinking Beispiel reisen. Dabei war der Trolley alles andere als ein Selbstläufer. Bereits 1972 reichte Bernard Sadow ein Patent für ein „rollendes Gepäckstück“ ein. Der Erfinder des Trolleys war Pilot bei Northwest Airlines und mit dem Problem des Gepäcktransportes im Flughafen aus eigener Erfahrung bestens vertraut. Aber auch wenn seine Problemeinsicht hervorragend war, ließ die Lösung zu wünschen übrig. Denn die ersten rollenden Gepäckstücke hatten vier Rollen und mussten von der Seite gezogen werden. Erst 1987 wurde aus dem Trolley ein einfacher Koffer mit nur zwei Rädern und einem ausziehbaren Griff. BÄÄÄM. Aus diesem Design Thinking Beispiel kannst Du folgendes lernen und erklären. 

Foto eines Trolleys und die wichtigsten Daten zur Trolley Erfindung.
  1. Auf eine gute Problemeinsicht folgt nicht zwingend eine gute Lösung.
  2. Der Design Thinking Prozess ist nicht linear. In diesem Design Thinking Beispiel geht es immer wieder auf das Stadium der Ideen zurück, um bessere Lösungen für das Problem zu identifizieren.
  3. Du solltest auf das Problem, nicht auf deine Lösung committed sein 
  4. Damit es zwischen Problem und Lösung auch “funkt”, musst Du verschiedene Lösungen ausprobieren. Auch wenn es, wie in diesem Beispiel, 15 Jahre gedauert hat.

Anti Design Thinking Beispiele

Zum Abschluss noch ein paar Anti-Design Thinking Beispiele. Anti, weil offensichtlich ihre Erfinder ihre eigenen Ideen verfolgten, statt sich mit den Bedürfnissen, Problemen und Herausforderungen ihrer Nutzer zu beschäftigen. Bewerte die folgenden Design Thinking Beispiele doch selbst in Bezug auf Nützlichkeit, Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit.

Eine Collage verschiedener Anti-Design Thinking Beispiele
Eine Collage verschiedener Anti-Design Thinking Beispiele – Quelle: verschiedene

Mein favorisiertes Anti-Design Thinking Beispiel ist jedoch das Homer-Mobile aus der berühmten TV-Serie “Simpsons”. Aufgeputscht durch seinen verschollenen Zwillingsbruder, der zufällig CEO von GM ist, entwirft und baut Homer sein Traumauto. Das Homer-Mobile ist hässlich, unpraktisch, kostet mehr als 80 Tsd. Dollar und treibt seinen Zwillingsbruder schließlich in den Ruin. 

Fazit – Was sind deine favorisierten Design Thinking Beispiele?

Design Thinking erfordert eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit dem Kunden, ein ständiges Hinterfragen und Nachbohren (was übrigens eines der sechs Working Geniuses ist) und den Mut auch schnelle, unfertige Lösungen mit dem Kunden für schnelle Einsichten zu verproben. Ich hoffe, diese Design Thinking Beispiele haben dir geholfen, Design Thinking auch auf einer praktischen Ebene zu verstehen. Vielleicht sind dir dabei ja auch eigene Design Thinking Beispiele in den Sinn gekommen? Hinterlass gerne einen Kommentar

Viel Erfolg dabei.

Signatur des Blog Autors Andreas Diehl.

Über den Autor

Andreas Diehl

Mein Name ist Andreas Diehl. Ich blogge und berate zu digitaler Transformation und agiler Organisationsentwicklung. Futter für meine Beiträge sind 23 Jahre Digital Business und Erfahrungen aus über 12 Jahren Beratung.

6 Antworten

  1. Avatar von Julia Faifer
    Julia Faifer

    Hallo Andreas,

    viele Artikel über Design Thinking durchgelesen. Das ist einer der besten. Danke für die ausführliche Beschreibung und lebende Beispiele. Trolley-Beispiel gefällt mit am meisten.

    1. Avatar von Andreas Diehl
      Andreas Diehl

      Danke Julia, das freut mich.

      Danke für dein Feedback zum Trolley Beispiel, ich habe es just in diesem Moment geöffnet, um es in unserem Live Workshop in Kassel live zu bearbeiten.:)

  2. Avatar von Michael
    Michael

    Ich wollte einfach mal mein Lob da lassen.
    Durch meine Arbeit habe ich auch mit Design Thinking, Agilität, OKR & Co. zu tun.
    Aber keine Agentur, kein Buch, kein Video erklärt die Dinge so gut und anschaulich wie Du!
    Herzlichen Dank für Deinen tollen Blog.

    1. Avatar von Andreas Diehl
      Andreas Diehl

      Danke Michael, das ist sehr nett und geht runter wie Öl.:)

  3. Avatar von Ivo Kuczera
    Ivo Kuczera

    Moin Andreas,

    “Jeder kann Design Thinker sein, es erfordert Einfühlungsvermögen und Denkarbeit.”

    Ja und vielleicht – ein entsprechendes Mindset ist ggf. längst nicht jeden in die Wiege gelegt. Es soll doch immer wieder Workshops geben, in denen Facilitator*innen deutlich wenig emphatisch und oder sogar steuernd (inter) agieren. 😉

    1. Avatar von Andreas Diehl
      Andreas Diehl

      Dann bleibt nur zu hoffen, dass der emphatische und mündige Teilnehmer sich das nicht ohne gute Rückfragen gefallen lässt.:)

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