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Agile Methoden – Teams und Organisation nach agilen Prinzipien strukturieren

Agile Methoden – Teams und Organisation nach agilen Prinzipien strukturieren 960 540 Andreas Diehl (#DNO)

Agile Methoden sind Werkzeuge, um Teams und Unternehmen nach agilen Prinzipien zu organisieren. In diesem Beitrag stelle ich dir die wichtigsten agilen Arbeitsmethoden vor und erkläre Dir unter welchen Voraussetzungen die Einführung agiler Vorgehensmodelle überhaupt sinnvoll ist. 

Wann sind agile Methoden sinnvoll?

Die Anwendung agiler Arbeitsmethoden ist unter zwei Voraussetzungen sinnvoll. Erstens glaubst Du daran, dass Menschen intrinsisch motiviert sind und selbstbestimmt arbeiten. Damit sind zwangsläufig auch alle Management-Artefakte der Belohnung und Kontrolle überflüssig. Zweitens hast Du es mit komplexen Umfeldern und Aufgaben zu tun. Das heißt, dass Du weder die Anforderungen an die Umsetzung eines Vorhabens abschließend definieren kannst, noch den genauen Lösungsweg kennst. Die Stacey Matrix hilft Dir bei der Einordnung, in welchem Handlungsfeld sich dein Vorhaben befindet. Sofern diese beiden Voraussetzungen auf dein Vorhaben oder das Umfeld deiner Organisation zutreffen, ist es zweckmäßig oder sogar notwendig agile Modelle einzuführen. 

Komplexe Aufgaben und Umfelder sind das Spielfeld agiler Modelle und Arbeitsmethoden
Komplexe Aufgaben und Umfelder sind das Spielfeld agiler Modelle und Arbeitsmethoden – Quelle: Stacey Matrix

Was Du von agilen Methoden erwarten darfst

Wenn Du weder die Anforderungen noch die Lösung abschließend beschreiben kannst, dann ist Ausprobieren und Lernen das einzige valide Vorgehen. Das setzt voraus, dass Du mit Annahmen arbeitest, Lösungen mit und am Kunden ausprobierst und dein Vorgehen immer wieder anpasst. Denn nur so kannst Du komplexe Aufgaben begreifen, damit verbundene Anforderungen, Lösungswege und geeignete Strategien identifizieren. Dabei geben agile Methoden diesem iterativen Vorgehen eine Struktur. Dazu legst Du Autonomie und Entscheidungen in die Hände umsetzender Teams, etablierst Kommunikationsrituale und -regeln für maximale Synchronisation und Transparenz. Gleichzeitig achtest Du darauf, dass Arbeit end-to-end entlang von Wertströmen organisiert ist, statt in funktionalen Silos wie am Fließband vor 100 Jahren. Damit versetzt Du Teams und Organisationen in die Lage in dynamischen und komplexen  Umfeldern erfolgreich zu sein. 

Agile Methoden und Vorgehensmodelle streben maximale Autonomie bei maximaler gemeinsamer Ausrichtung an
Agile Methoden und Vorgehensmodelle streben maximale Autonomie bei maximaler gemeinsamer Ausrichtung an – Quelle: Andreas Diehl

Agile Methoden Übersicht  – An diesen Modellen kommst Du nicht vorbei

In der folgenden Übersicht agiler Arbeitsmethoden findest Du die wichtigsten agilen Modelle. Dabei kannst Du prinzipiell zwei Typen von agilen Vorgehensmodellen unterscheiden. Zum einen agile Methoden, mit denen Du die Zusammenarbeit von Teams strukturierst. Darüber hinaus gibt es agile Modelle, mit denen Du die Zusammenarbeit in einem Unternehmen organisierst. Um Dir einen ersten Überblick zu verschaffen, stelle dir die agilen Methoden in der Übersicht kurz vor und gehe dann etwas ausführlicher darauf ein. 

MethodeKontextSinn / Zweck
ScrumTeamEinführung neuer Produkte und Services, Entwicklung technischer Plattformen, agile Projektmethode.
LeSSOrganisationEines von mehreren “Scrum of Scrums”, aber mein favorisiertes Framework für mehr als zwei Scrum Teams.
NexusTeam“Scrum of Scrums” Ansatz von Scrum.org für zwei bis neun Teams, Nexus+ für mehr als neun Teams.
Design SprintTeamWöchentliches Workshop-Format für Teams basierend auf Design Thinking.
Lean StartupTeamIterativer Zyklus zur Entwicklung neuer Services und Produkte unter Einbeziehung des Kunden
KanbanTeam, OrganisationOrganisation anstehender Arbeit nach dem “Pull Prinzip”, um den “Flow” und den Arbeitsfluss selbstorganisiert zu managen.
OKRTeams, OrganisationRahmenwerk, um Teams und Organisationen auf gemeinsame Ziele auszurichten und dabei kurz-, mittel- und langfristige Ziele zu synchronisieren.
Spotify ModellOrganisationAufbau einer Organisation nach dem Vorbild der Spotify Organisation.
SAFeIT- und Software OrganisationOrganisationsmodell für die Entwicklung von “Large Scale Software Solutions”
SoziokratieOrganisationOrganisationsmodell für Unternehmen nach soziokratischen Prinzipien.
HolakratieOrganisationKommerzielle Variante der Soziokratie.

Scrum – Agile Methode für Teams

Scrum ist sicherlich die bekannteste agile Methode und mittlerweile auch weit über die Grenzen der Softwareentwicklung hinaus im Einsatz. Dabei arbeitet das Scrum Team (max. 10 Personen) in kurzen Iterationen von 1 bis 4 Wochen (Sprints) an der Fertigstellung konkreter Arbeitsergebnisse. Zum Abschluss des Sprints werden Arbeitsergebnisse präsentiert, um Feedback von Stakeholdern und Usern zu bekommen. Während der Product Owner die anstehenden Aufgaben priorisiert, coacht der Scrum Master das Team in der Umsetzung des Scrum Prozesses. Die Entwickler arbeiten selbstverpflichtend an der Umsetzung der priorisierten Aufgaben. Jeder Scrum Sprint beginnt mit einem Planning und endet mit einer Review und Retrospektive. Damit ist Scrum ein geeignetes agiles Vorgehensmodell für die Entwicklung neuer Produkte und Services und eine agile Projektmethode.

LeSS – Scrum of Scrums

Das LeSS Framework beschreibt Regeln für die Zusammenarbeit mehrerer Scrum Teams. Mein favorisiertes “Scrum of Scrums” Framework ist LeSS  (Large Scale Scrum). Im Kern basiert das agile Vorgehensmodell LeSS auf Scrum, erweitert die Scrum Rollen und Meetings und definiert darüber hinaus wichtige Regeln, damit die Skalierung von Scrum erfolgreich gelingt. Das Besondere dieser agilen Methode ist ihr systemischer Ansatz, der Reduktion auf das Wesentliche (“Descaling”) und der Glaube daran, dass Du möglichst viel Autonomie in die umsetzenden Teams geben solltest. Während LeSS für 2-8 Teams gilt, ist LeSS Huge für mehr als 8 Teams. In meinem Verständnis sind Strukturen und  LeSS auch weit über die Softwareentwicklung hinaus sinnvoll anwendbar und sind damit auch ein agiles Modell für Organisationen.

Nexus – “Scrum of Scrums” powered by scrum.org

Nexus ist ein “Scrum of Scrums” Framework für drei bis neun Teams. Das agile Vorgehensmodell wurde vom Scrum Gründer Ken Schwaber entworfen und 2015 auf scrum.org veröffentlicht. Im Kern basiert Nexus auf Scrum-Rollen, Events und Artefakten. Das heißt, einem PO, 1-4 Scrum Master, einer Review und einem gemeinsamen Inkrement. Alle Meetings bis auf die Review sind doppelt, das heißt sie finden sowohl auf Team- als auch auf einer Nexus-Organisationsebene statt. Zusätzlich wird ein Nexus Integration Team (NIT) gegründet, das aus dem PO, einem Scrum Master und Spezialisten der Entwicklungsteams besteht. Das NIT hat die Aufgabe eine reibungslose technische Integration der Arbeitsergebnisse zu ermöglichen. Dazu berät und befähigt das NIT die jeweiligen Entwicklungsteams bei der Integration ihrer Arbeitsergebnisse. Sofern die Organisation aus mehr als neun Teams besteht, gelten mit Nexus+ weitere Regeln. Im Nexus Guide und auf scrum.org findest Du Fallstudien und eine ausführliche Darstellung der agilen Methode.

Überblick über das Nexus Framework.
Überblick über das Nexus Framework. | Quelle: Grafik von Scrum.org

Design Sprint – Ein Team, fünf Tage

In der Übersicht agiler Methoden darf der Design Sprint nicht fehlen. Auch wenn der Design Sprint streng genommen eher ein Workshop-Format als eine agile Methode im engeren Verständnis ist, setzen viele Unternehmen auf dieses Format, um konzentriert an wichtigen Fragen für die Produkt- oder die weitere Unternehmensentwicklung zu arbeiten. Der Design Sprint dauert fünf Tage und ist nach einer Iteration zu Ende. In diesen fünf Tagen gehen ein oder mehrere Teams strukturiert durch den Design Thinking Prozess und präsentieren zum Abschluss ihre Arbeitsergebnisse. Damit eignet sich der Design Sprint als agiles Vorgehensmodell vor allem für die Exploration neuartiger Vorhaben oder Leistungen. 

Design Sprints und Lean Startup eigenen sich in frühen Explorationsphasen, Scrum dagegen erst für die kontinuierliche Umsetzung eines Vorhabens.
Design Sprints und Lean Startup eigenen sich in frühen Explorationsphasen, Scrum dagegen erst für die kontinuierliche Umsetzung eines Vorhabens. | Quelle: Grafik von Gartner

Lean Startup – Produkte und Geschäftsmodelle iterativ entwickeln

Ähnlich wie ein Design Sprint ist Lean Startup ein agiles Vorgehensmodell, das in sehr frühen Phasen einer Produkt- und Serviceentwicklung zum Einsatz kommt. Den Mittelpunkt dieses agilen Modells bilden der dreistufige „build-measure-learn“ Prozess. Dazu übersetzt Du deine Ideen in minimal funktionsfähige Produkte (MVP’s) (build), die Du dann mit dem Kunden testest (measure). Dadurch verifizierst Du wichtige Hypothesen und identifizierst die wichtigsten Werttreiber eines Produktes (learn). Denn erst wenn Du Kunden mit anfassbaren Prototypen und Ideen konfrontierst, sind sie in der Lage ein werthaltiges Feedback zu geben. Dabei folgt Lean Startup keinem festen und kontinuierlichen Prozess wie z.B. das Scrum Framework. Statt dessen verfolgst Du im Rahmen dieses agilen Vorgehensmodells das Ziel die Durchlaufzeit durch den  „build-measure-learn“ Zyklus zu minimieren. So ist deine wichtigste KPI, wie viele MVPs oder auch Experimente Du in kurzer Zeit geschafft hast.

Der Lean Startup Zyklus hat das Ziel die Durchlaufzeit von der Idee zu Feedback zum minimieren.
Der Lean Startup Zyklus hat das Ziel die Durchlaufzeit von der Idee zum Feedback zu minimieren – Quelle: Lean Startup

Kanban – Die Unsichtbare Hand der Teamarbeit

Kanban ist die am meisten unterschätzte agile Methode. Denn Kanban ist in vielen Kontexten einsetzbar, unabhängig von der Anzahl der mitwirkenden Personen und auf jeden Arbeits- und Wertschöpfungsprozess anwendbar. Dabei kannst Du Kanban als agile Projektmethode einsetzen, als Instrument, um operative Arbeit oder sogar Projekt-Portfolios auf Unternehmensebene zu organisieren. Um mit Kanban zu arbeiten, strukturierst Du zunächst deinen Arbeitsprozess. Dann bekommt jeder Wertschöpfungsschritt seine eigene “Swimlane” in deinem Kanban Board. Im Anschluss wird jede Aufgabe oder jedes Projekt nach dem Pull Prinzip durch das Kanban Board prozessiert. Statt also Arbeit zuzuteilen bzw. zu pushen, setzt Kanban als agiles Vorgehensmodell darauf, dass sich Teams und Mitarbeiter anstehende Aufgaben ziehen bzw. pullen. Über das Kanban Board ist der aktuelle Arbeitsstand jederzeit sichtbar. Darüber kannst Du Bottlenecks visuell erfassen und den “Fluss” der Arbeit einsehen. Dabei kannst Du Kanban ergänzend zu anderen agilen Modellen einsetzen wie z.B. Scrum. 

Objectives & Key Results (OKR) 

Die agile Methode Objectives & Key Results (OKR) ist im Kern eine Syntax, um über Ziele zu sprechen. So besteht jeder OKR aus einem qualitativen Ziel (Objective) und quantitativen Metriken (Key Results). Dabei bewertest Du die Erreichung deiner qualitativen Ziele über Key Results. Zweitens sind OKR ein Zielsystem über das Du lang- und kurzfristige Ziele über die gesamte Organisation synchronisiert. Und drittens etablierst Du mit OKR ein agiles Vorgehensmodell getragen von der Selbstverpflichtung der Teams und kontinuierlichem Lernen. Dabei gehen Teams in Iterationen von 3-6 Monaten, um an der Erreichung selbst gesteckter Ziele bzw. OKR zu arbeiten. Diese Arbeit in kurzen Iterationen, die Synchronisation mit den Zielen des Unternehmens und auch der einfache Einstieg machen OKR zu einer der beliebtesten agilen Methoden der letzten Jahre. 

Spotify Modell – Agile Methode aus Schweden

Das Spotify Modell, benannt nach dem schwedischen Musikdienst, ist ein agiles Vorgehensmodell für die Organisation ganzer Unternehmen oder Bereiche. Im Kern basiert das agile Modell auf kleinen autonomen Teams bzw. Squads, die wiederum Teil einer Tribe sind. Über Chapter erfolgt zusätzlich eine fachliche und funktionale Organisation. Das heißt, während Mitarbeiter in einer Squad ihre tägliche Arbeit erledigen, finden sie über ihr Chapter eine fachliche Heimat (z.B. alle Marketing-Mitarbeiter). Dabei haben Squads in diesem agilen Vorgehensmodell end-to-end Verantwortung für die Erstellung einer Leistung oder eines Leistungsmerkmals. Damit löst das Spotify Modell das organisatorische Spannungsverhältnis zwischen einer end-to-end und einer fachlichen, funktionalen Perspektive. Zudem setzt die agile Methode auf freiwillige Communities in denen der Austausch der Mitarbeiter zu Themen ihrer Wahl im Vordergrund steht.

Das Spotify Modell als agile Methode mit der Einteilung in Tribes, Squads, Chapter und Guilds
Das Spotify Modell mit der Einteilung in Tribes, Squads, Chapter und Guilds | Quelle: Andreas Diehl

SAFe – Scaled Agile Framework

Das Scaled Agile Framework (SAFe) bietet eine Antwort auf die Frage, wie Du agile Methoden auch für die Arbeit an großen Softwarelösungen und mehreren hundert Leuten skalieren kannst. Anders als LeSS hat SAFe also einen ganz klaren Fokus auf IT- und Software-Organisationen. Dazu setzte SAFe in der Version 5.1 (Februar 2021) auf sieben Kernprinzipien und ergänzt diese mit einer Reihe von Rollen, Aufgaben, Praktiken und Arbeitsabläufen. 

Gesamt Übersicht über die agile Methode SAFe Framework in der Version 5.1.
Gesamt Übersicht über das SAFe Framework in der Version 5.1 – Quelle

Wie Du bereits am Aufbau des agilen Modells erkennen kannst, ist SAFe sehr umfangreich. In meinem Verständnis und im Vergleich z.B. zu LeSS ist SAFe überreguliert und zu kompliziert. Aufgrund der Komplexität und des Aufwands, der mit der Einführung verbunden ist, ist SAFe wirklich nur für große IT Organisationen und vor allem Beratungen interessant, die dann die Implementierung begleiten.

Soziokratie – Führung auf Basis demokratischer Mitbestimmung 

Die Soziokratie ist ein agiles Vorgehensmodell für die Entwicklung einer Organisation basierend auf der Idee der demokratischen Mitbestimmung. Dazu setzt die agile Methode auf vier Basisprinzipien:

  1. Beschlussfassung im Konsent
  2. Aufbau der Organisation in semi-autonomen Kreisen
  3. Doppelte Verknüpfung der Kreise.
  4. Offene Wahlen für die wesentlichen Funktionen und Rollen

Statt in “Abteilungen” werden soziokratische Unternehmen in semi-autonomen Kreisen organisiert. Dabei hat jeder Kreis ein eigenes Ziel und damit einhergehenden Verantwortungsbereich. Innerhalb dieser Domäne trifft der Kreis autonome Entscheidungen. Beschlüsse innerhalb des Kreises werden nie von einzelnen Personen, sondern immer im Konsent gefasst. Der Konsent ist ein sehr strukturierter und transparenter Prozess zur Entscheidungsfindung, den Du auch unabhängig von der Soziokratie einsetzen kannst. Zudem verfügt jeder Kreis über eine doppelte Verlinkung mit darüber liegenden Kreisen (Up- und Downlink). Als agiles Modell findet die Soziokratie vor allem in Vereinen, Schulen oder Nonprofits Anwendung, vereinzelt auch in gewerblichen Unternehmen. Nichts desto trotz ist die Soziokratie ein wichtiger Meilenstein und Inspiration, wie agile Vorgehensmodelle für ganze Unternehmen konsequent etabliert werden können.

Holakratie – Soziokratie in “kommerziell”

In der Übersicht agiler Methoden darf die Holakratie als Betriebssystem für agile Organisationen nicht fehlen. Dabei hat jede holakratische Organisation eine Verfassung, in der wesentliche Leitlinien, die Struktur und die Prozesse für die Führung und Verwaltung der Organisation dokumentiert sind (deutsche Version). Dabei wird Arbeit in der Holakratie über “Rollen” statt Job Descriptions definiert. So kann jeder Mitarbeiter mehrere Rollen haben. Zusammengehörige Rollen bilden einen Kreis, die Kreise sind genau wie in der Soziokratie über doppelte Verbindungen verbunden. Ein weiteres Merkmal ist eine strikte Trennung von operativen und strategischen Meetings. Während in operativen Meetings (Tactical Meetings) der Alltag im Vordergrund steht, wird in strategischen Meetings (Governance Meetings) die Struktur des Kreises weiterentwickelt. Das letzte wichtige Merkmal der Holakratie ist die dynamische Steuerung und Weiterentwicklung. Damit unterwirft sich die Holakratie als agiles Vorgehensmodell selbst einem agilen Prozess, geprägt vom  Wunsch nach ständiger Verbesserung und organisatorischer Perfektion.

Bevor Du mit agilen Methoden loslegst

Bevor Du mit der Implementierung agiler Methoden und Vorgehensmodellen beginnst, darfst Du ein paar Punkte für dich und deine Organisation kritisch hinterfragen:

1. Aktuelle Werte, Glaubenssätze und Führungsmodelle

Habt ihr Einigkeit, dass Menschen gerne und freiwillig arbeiten? Denn wenn Du nicht bereit bist, auf Bestrafung und Kontrolle basierende, Corporate Rituale aufzugeben, wirst Du früher oder später Schwierigkeiten mit der erfolgreichen Anwendung agiler Vorgehensmodelle erfahren. 

2. Welches Problem willst Du lösen? 

Was versprichst Du dir vom Einsatz agiler Modelle? Welches Problem willst Du lösen? In meinem Verständnis sollten agilen Methoden die Lösung für ein Problem und kein Selbstzweck sein. Schaffe also Transparenz über Probleme und Herausforderungen in der aktuellen Organisation und bewerte die Einführung agiler Methoden auf Basis einer Verbesserung in diesen Problembereichen. 

3. Kunden, Customer Journeys und “Demand” verstehen

Bevor Du agile Methoden anwendest, solltest Du zunächst die Art der Arbeit verstehen. Denn nicht jedes agile Modell passt zu jeder Arbeit. Wenn Du z.B. deine Aufgaben nicht autonom planen kannst, sondern zu erledigende Arbeit von außen an Dich herangetragen (z.B. Service) wird, ist Scrum dann ggf. nicht das richtige agile Vorgehensmodell. Das heißt, schau Dir den Kontext an, in dem agile Methoden überhaupt implementiert werden sollen. Ist die Arbeit autonom planbar oder werden Anforderungen von außen an Dich herangetragen? Wie sieht deine Wertschöpfung, deine Strategie und dein Geschäftsmodell aus? Erst auf Basis dieses Verständnis kannst Du eine sinnvolle Aussage treffen, welche agile Methoden für Dich / dein Team überhaupt sinnvoll sind.

4. “Trust the process”

Sofern Du eine Entscheidung für ein agiles Vorgehensmodell getroffen hast, vertraust Du auf den damit verbundenen Prozess. Denn im Kern basieren alle agilen Methoden auf der Idee der kontinuierlichen Verbesserung (Kaizen). Diese Verbesserungen sind inkrementeller Teil agiler Vorgehensmodelle. Das heißt, Du reflektierst kontinuierlich den inhaltlichen Fortschritt und die Qualität der Zusammenarbeit. Bleib diesem Prozess treu und vertraue darauf, dass es immer besser wird. Denn was noch nicht gut ist, ist noch nicht zu Ende.

Fazit – Agile Methoden geben Sicherheit aber sind kein Selbstzweck 

Agile Methoden sind ein unverzichtbares Stilmittel, um in digitalen und dynamischen Märkten erfolgreich zu sein. Dabei zeichnen sich agile Modelle durch eine hohe Prozesstreue, klare Strukturen und Kommunikationsrituale aus. Die Zusammenarbeit basiert auf agilen Werten wie Freiwilligkeit, Selbstverpflichtung und der Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen. 

Dabei sind agile Methoden jedoch niemals Selbstzweck. Bevor Du also die Einführung agiler Methoden überstürzt, solltest Du dich immer fragen „wofür“ Du die Methode einsetzen willst und was Du damit erreichen willst. Wenn Du darüber Klarheit hast, die Art der Arbeit zum agilen Vorgehensmodell passt und Du eine hohe Prozesstreue lebst, dann ist der Erfolg agiler Methoden am Ende auch immer eine Frage der Haltung. Auch deiner.

Viel Erfolg dabei.

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