Digitale Kompetenz – Vom Anwender zum digitalen Architekten

Digitale Kompetenz – Vom Anwender zum digitalen Architekten 600 315 Andreas Diehl (#DNO)

Digitale Kompetenz ist die Fähigkeit konstruktiv mit den durch die Digitalisierung auftretenden Herausforderungen umzugehen. Für Unternehmen und seine Mitarbeiter ist der Aufbau einer hohen Digitalkompetenz eine zwingende Voraussetzung für Erfolg in digitalen Märkten.

Dabei kann digitale Kompetenz sowohl als Fähigkeit einzelner Personen aber auch als Fähigkeit eines ganzen Unternehmens verstanden werden. Da sich die digitale Kompetenz einer Organisation gut über die Erfolgsfaktoren der digitalen Transformation erklären lässt, beziehe ich mich in diesem Artikel auf die digitale Kompetenz als Fähigkeit deiner Mitarbeiter und Führungskräfte.

Was ist digitale Kompetenz?

Every employee is a digital employee.

Gartner Research

Digitalkompetenz betrifft jeden Mitarbeiter. Natürlich ist die Anforderung an digitale Kompetenz je nach Rolle und Aufgabe völlig anders. Das heißt, Mitarbeiter im Service benötigen eine andere Ausprägung digitaler Kompetenz als Vorstände. Nichts desto trotz gibt es nach meinen Beobachtungen folgende Reifegrade digitaler Kompetenz, die vielleicht auch leider das ein oder andere mal miteinander vermischt werden.

Digitaler Anwender –  Fit im Umgang mit digitalen Tools und Prozessen

Alexa auf dem Küchentisch, das Smartphone in der Tasche, same day delivery bei amazon und abends die Lieblingsserie auf Netflix schauen. Digitalisierung ist unserem Leben ein ständiger Begleiter. Was im Privatleben oft intuitiv und einfach ist, ist im Unternehmensalltag dann oft keine Selbstverständlichkeit mehr. Die Einführung neuer Tools führt zu Transparenz und neuen Workflows. Mitarbeiter müssen nicht nur neue fachliche Fähigkeiten erlernen, sondern auch ihre Haltung ändern. Softwarelösungen werden immer weiter entwickelt und digitalisierte Prozesse zum Wohle des Kunden optimiert. Auch als Anwender musst Du dich immer wieder auf neue Situationen einstellen.

Diese Form der digitalen Kompetenz kann gut durch eine moderierte Einführung  neuer Lösungen und Schulung aufgebaut werden. Wenn Mitarbeiter ihre eigene Digitalkompetenz dann noch an Kunden oder Kollegen weitergeben können oder sogar das Wissen um den Prozess und das Tool verschmelzen, dann ist die höchste Ausprägung der digitalen Kompetenz auf Ebene des Anwenders erreicht.

Digitaler Gestalter –  IT, Technologie und Digitales Handwerk beherrschen

Software eats the world.

In dieser Variante digitaler Kompetenz findest Du handwerkliche Fertigkeiten aus den Bereichen IT, Marketing und Design, die für den Aufbau und den Erfolg eines digitalen Produktes wichtig sind. Unter dem Dach dieser Digitalkompetenz verbergen sich zahlreiche Einzeldisziplinen, die angetrieben durch die rasante Entwicklung digitaler Plattformen und Technologien zu immer ausgeprägterem Spezialistentum führt. Heute werden alleine schon für den Aufbau und den erfolgreichen Betrieb einer Webseite zahlreiche Kompetenzen benötigt. Mit dieser Vielfalt und dem daraus resultierenden Aufwand haben gerade KMU und ihre Geschäftsführer im Zuge ihrer digitalen Transformation zu kämpfen.

Die höchste Ausprägung dieser Digitalkompetenz basiert auf dem komplementären Verständnis von digitalen Technologien, Wertschöpfungsprozessen, den Bedürfnissen der Zielgruppen und digitalem Marketing. Dann versteht Du die Wechselwirkungen einzelner Gewerke im digitalen Handwerk und hast die höchste Ausprägung der digitalen Kompetenz auf Ebene des Gestalters erreicht.

Digitaler Modellierer – Der digitalen Welt mit Methode einen Rahmen geben

A fool with a tool is still a fool.

Eine besondere Form digitaler Kompetenz ist ein fundiertes Methodenwissen für die Planung von Produkten, Dienstleistungen und Unternehmen im digitalen Zeitalter. Das beginnt mit kundenzentrierten Werkzeugen wie Design Thinking, geht über die Frage, wie Teams mit Scrum zusammenarbeiten bis hin zu agilen Organisationsformen wie die Holakratie. Fast für jede Herausforderung und Frage gibt es eine Methode, wie Teams und Unternehmen befähigt werden kundenzentriert zu arbeiten, innovative Produkte zu entwickeln oder ihre Zusammenarbeit neu zu gestalten.

Diese digitale Kompetenz ist natürlich nur von Wert, wenn zum passenden Problem auch das richtige Werkzeug angewendet wird. Nur das Wissen um die Methode alleine birgt die Gefahr im Bällebad verloren zu gehen oder die Scheiben mit dem Hammer reinigen zu wollen. Die höchste Ausprägung dieser Form der Digitalkompetenz ist erreicht, wenn Du als digitaler Modellierer das Problem verstehst, um zu beurteilen, wann und ob der Einsatz einer Methode Sinn macht.

Digitaler Architekt – Digital planen und führen

Zusammenhänge im Kontext Digitalisierung sind nicht immer linear, Rückkopplungen oft diffus, manchmal auch komplex. Diese Zusammenhänge zu sehen, zu erkennen oder gar zu antizipieren ist der höchste Reifegrad digitaler Kompetenz. Vor allem Führungskräfte und Unternehmern benötigen diese Form der digitalen Führungskompetenz. Externe Rahmenbedingungen wie Technologie und digitale Märkte wirken auf die eigene Wertschöpfung, die Organisation und das eigene Geschäftsmodell. Digital kompetente Führungskräfte verstehen Zusammenhänge und Rückkopplungen und sind in der Lage entsprechende Maßnahmen und Strategien daraus abzuleiten.

Diese Form der digitalen Führungskompetenz setzt die Einsicht voraus, dass Digitalisierung immer auch eine systemische Herausforderung ist. Neue Tools führen zu neuen Prozessen, neue Technologien verändern Wertschöpfungen und Geschäftsmodelle. Neue Wege der Zusammenarbeit verändern die Kultur. Oder umgekehrt. Nur selten und fast nie erfolgreich können digitale Maßnahmen und Strategien isoliert voneinander betrachtet werden. Diese Abhängigkeiten und Wirkungszusammenhänge zu verstehen ist die höchste Ausprägung digitaler Kompetenz. Diese digitale Führungskompetenz setzt voraus, dass Führungskräfte im Zuge der neuen Ordnung auch ein neues eigenes Führungsverständnis entwickeln.

Welche Persönlichkeitsmerkmale brauchst Du für den Aufbau digitaler Kompetenz?

Digitale Kompetenz hat eine kurze Halbwertszeit. Softwarelösungen liegen in der Cloud, werden ständig aktualisiert. Technologien und Märkte verändern sich dynamisch. Selbst als Anwender bist du regelmäßig mit einer neuen Ausgangssituation konfrontiert. Entsprechend kannst Du dich nicht allzu lange auf deine neu gewonnene Digitalkompetenz ausruhen. Das ständige Lernen setzt eine gewisse Demut bzw. Haltung voraus, die Zen Meister auch “Beginners Mind” nennen. Du weißt, dass Du nichts weißt. Darauf aufbauend brauchst Du eine gewisse Aufgeschlossenheit und Veränderungsbereitschaft, um neue Konzepte, Prozesse und Lösungen anzunehmen und für Dich zu adaptieren. Für die erfolgreiche Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams und die enge Einbeziehung des Kunden sind zudem das Denken in Netzwerken und ein hohes Maß an Empathie eine wichtige Voraussetzung.

Kannst du Digitalkompetenz messen?

Digitalkompetenz ist ein sehr weitläufiger Begriff und eine vergleichsweise junge Kompetenz. Entsprechend ist die Frage, wie und ob digitale Kompetenz gemessen und beurteilt werden kann, immer eine Frage des Kontexts.

Mit Anke Terörde-Wilde, Geschäftsführerin von ITB Consulting, habe ich über die Möglichkeiten und Grenzen der Diagnostik von digitaler Kompetenz gesprochen.

Wie Du digitale Kompetenz entwickelst

Du kannst Digitalkompetenz erlernen. Natürlich wird nicht aus jedem von uns ein Designer, Entwickler oder digitaler Visionär, der mit dem nächsten Google die Welt verändert. Aber wenn Du dich bemühst und die tägliche Konfrontation mit digitalen Tools und Technologien zu hinterfragst, dann kannst Du schnell eine solide Digitalkompetenz entwickeln. Dazu ein paar Überlegungen, Hacks und Tipps:

  • Blogs, Bücher und Podcast: Der Fundus an Quellen über Technologien, Startups, digitale Plattformen is riesig.
  • Netzwerktreffen, Meetups und Events: Der Austausch mit digitalen Experten ist unbezahlbar.
  • Vernetzen mit Startups: Gerade Führungskräfte sollten sich permanent mit Gründern und Startups vernetzen. Startups sind oft „on edge“, ihr Blick auf die Welt und deinen Markt gibt vielleicht auch Dir noch einmal eine andere oder neue Perspektive.
  • Kurse und Ausbildungen: Portale wie Udemy verfügen über ein großes Angebot an Video Kursen. Am anderen Ende des Spektrums bieten inhouse Trainings die Chance digitale Kompetenz bezogen auf euer Unternehmen und den konkreten Anwendungsfall zu vermitteln. Ich plane zudem eine Ausbildung für digitale Führungskräfte.
  • Interne Arbeitsgemeinschaften: Je nach Größe findest Du in deinem Unternehmen garantiert andere Digital begeisterte Kollegen. Tauscht euch aus und lernt voneinander.
  • Mit einem Digital-Coach arbeiten: Ein Kunde sagte mal zu mir “in diesem Jahr bist Du meine Fortbildung” Die Arbeit mit einem Digital Berater und Coach ist zwar sicher die kostspieligste aber auch die effektivste Variante.

Fazit – Digitalkompetenz ist für Unternehmen, Führungskräfte und Mitarbeiter unerlässlich

Digitalkompetenz ist für Unternehmen und seine Mitarbeiter die vielleicht wichtigste Fähigkeit der kommenden Jahre. Wichtiger als der 12te Kurs in Excel oder die 25te Schulung in Projektmanagement. Dabei sind kundenzentriertes Denken, agiles Arbeiten, ein gutes Verständnis digitaler Technologien, moderne Methoden für die Unternehmensplanung und Entwicklung digitaler Produkte die wesentlichen Eckpfeiler digitaler Kompetenz. 

Viele Unternehmen etablieren einen Chief Digital Officer und bauen eigene Digital-Teams auf, um auf diesem Weg digitale Kompetenz in ihr Unternehmen zu tragen. Aber auch ohne eine solche Maßnahme schenkt uns das Internet einen riesigen kostenfreien Fundus an Wissen. Dazu braucht es vor allem Zeit und das Eingeständnis, dass die eigene Digitalkompetenz vielleicht deutlich geringer ausgeprägt ist, als sich das so manch gewiefter Anwender einzugestehen vermag. Mit dieser Haltung ist der Aufbau eigener Digitalkompetenz dann nur noch ein Katzensprung.

Viel Erfolg dabei.

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